Sa 07.11.2026
Lk 16:9-15 – Vom Geld
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext.
9 Und Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit sie euch, wenn er zu Ende geht, in die ewigen Wohnungen aufnehmen.
10 Wer im Geringsten treu ist, ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch im Großen ungerecht.
11 Wenn ihr nun im Umgang mit dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahre anvertrauen?
12 Und wenn ihr im Umgang mit dem Fremden nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Eure geben?
13 Kein Hausdiener kann zwei Herren dienen. Denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich an den einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
14 Das alles hörten die Pharisäer, die am Geld hingen, und sie machten sich über Ihn lustig.
15 Da sagte Er zu ihnen: Ihr seid es, die sich vor den Menschen als gerecht hinstellen; Gott aber kennt eure Herzen. Denn was unter Menschen hoch angesehen ist, ist vor Gott ein Gräuel.
Betrachtung.
Was ist „Geld“?
Meine Zusammenfassung von Geld lautet zunächst:
„Geld ist kondensierte Arbeit.“
Und dadurch ist Geld noch viel mehr. Es ist ein Machtmittel und es schafft eine Distanz zwischen mir und der Welt und auch eine Distanz zwischen Gott und mir. Denn Geld stellt in sich eine eigene Macht dar.
Erstaunlich ist, dass Geld nicht einfach meine Macht repräsentiert, sondern auch eine Macht ist, die einen Anspruch auf mich – oder gar gegen mich hat.
Autonomie des Geldes
Du, Herr Jesus, sprichst davon, dass Geld sich neben Gott stellt und zu einem Herrn wird, wie Gott ein Herr ist. Geld ist ein Gott.
Und wer bin ich?
Menschen wollen sich Gott zum Knecht machen. Wie das geschieht schreibe ich an anderer Stelle.
Und sie wollen sich Geld zum Knecht machen.
Ich habe eine Zeit an einer amerikanischen Börse mit Aktien gehandelt. Ein Trade benötigte nur einen Klick und die Gebühren waren so niedrig, dass sich ein Handel auf Stunden- oder gar Minutenebene anbot. In der Zeit habe ich mich intensiv mit Börsenpsychologie beschäftigt. Und das ist unverzichtbar.
Aber das, was die Börse mir selbst von meiner Seele erzählt hat, war viel größer, als ich je erwartet habe. Die Konsequenzen jedes Schattens in mir waren sofort spürbar und es war mir, als kämpfe ich mit Dämonen. Den Dämonen der Millionen Trader – aber mehr noch mit Dämonen in mir, von denen ich nie etwas gewusst habe.
Am Ende hatte ich so viele Bälle in der Luft, dass mein Entkommen aus all dem nichts als Gnade war.
Hebel
Am Geld ziehe ich – wie an Ohren – Wirksamkeit dorthin, wo ich sie haben will.
So ist das subjektive Gefühl der Macht mit dem Geld.
Aber in Wahrheit zieht das Geld mich an den Ohren meines Herzens dorthin, wo es mich haben will. Und verändert dabei mein Herz.
Mit der Hand tue ich dies und das, je nach Kraft und Geschick. Mit dem Geld bewege ich die Hände vieler, vielleicht sehr vieler.
Habe ich meine Rolle als Verwalter so tief in meinem Herzen, dass ich damit umgehen kann?
Ich lasse Leute für mich arbeiten – denn das steht zumeist indirekt dahinter. Leute, die ich oft nicht kenne.
Die Ordnung Gottes sieht Macht immer als Dienst an.
Ist mein Herz dienstbar?
Bin ich von ganzem Herzen ein Diener?
Meine Zeit
An meinem Ort und in meiner Zeit ist Geld der übermächtige Herrscher der Welt. Und ich bin in diesem System ein Rädchen.
Und ich sehe nicht, dass ich Macht hätte, gerecht mit Geld umzugehen oder dem System zu entkommen.
Die Überschuldung macht uns zu Dieben an der kommenden Generation. Die enthemmte Nutzung von Ressourcen zu Dieben an der Natur. Der Reichtum zu Objekten des Neides und des Hasses. Und so vieles mehr geschieht heute in einem niemals dagewesenen Maßstab.
Ich kann nicht richtig handeln, heute weniger denn je.
Ich sehe die Notwendigkeit zur persönlichen Heiligung heute dringender an als jemals. Heiligung ist, wie ich oft schreibe, nicht Perfektion, sondern Herzensübereignung an den Vater – an Dich.
Heiligung ist keine Ergänzung eines sonst auch schon geretteten Lebens.
Heiligung ist die Flucht aus der Angst vor den Zahnrädern der Welt.
Das Bergen in der Wüste vor dem kommenden Zorn.
Ein Zorn Gottes, der nur ein gewisses Überlassen der Menschen in ihre stolze Autonomie ist.
So scheint mir Gottes Zorn nur die Rückseite der Eitelkeit des Menschen.
Mein Stand gestern und heute wird nicht reichen für das Getöse von morgen.