Do 16.04.2026
Joh 3:31-36 Der Täufer über Jesus
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
31 Der von oben kommt, ist über allen; der von der Erde ist, ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, ist über allen.
32 Was Er gesehen und gehört hat, das bezeugt Er; und Sein Zeugnis nimmt niemand an.
33 Wer Sein Zeugnis annimmt, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.
34 Denn den Gott gesandt hat, der redet die Worte Gottes; denn nicht nach Maß gibt Er den Geist.
35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in Seine Hand gegeben.
36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Von oben
Das, was ich verstehe, ist zunächst von unten, wie bei dem Täufer bezeugt. Ich rede als einer, der vor einer Offenbarung steht, nicht als einer, der die Offenbarung beurteilt.
Gestern hatten wir in der Männerrunde eine orthodoxe Frau zu Besuch. Eine Frau, die im Laufe ihres Lebens aus einem säkularen Umfeld langsam in Richtung Orthodoxie gegangen ist. Ich glaube ihr ihren Weg. Ein Weg zu Gott. Ihr Alltag ist von Gott geprägt und sie hört Ihn reden. Sie bezeugte auch eine feine Veränderung ihrer selbst zu dem hin, was Heiligung meint.
Aber – ohne den Sohn.
Hm.
Was bedeutet der Sohn für mich
Es sind Puzzleteile, von denen ich rede.
Zunächst führt mich der Sohn aus den Heiden zum Vater. Ich kannte den Vater nicht und gehöre nicht zum Volk der Offenbarung, dem Volk des Bundes.
Der Vater ist Geist. Ich aber bin Mensch.
Das Judentum selbst ist so viel mehr leiblich als meine griechisch-römische Welt.
Dass durch Jesus die Welt geschaffen wurde und Er selbst in ihr Mensch wird – das ist eine Offenbarung, die ich in meinen alten, philosophischen Gedanken nicht gefunden hätte.
Die Erkenntnis der Erlösung durch das Kreuz ist auch bei mir ein Prozess. Ich habe Jesus zuerst als den kennengelernt, den meine Seele ersehnt.
Auch der Täufer bezeugt Jesus zunächst als den, der vom Vater kommt. Das Kreuz ist nicht meine erste Erkenntnis. Und ich stehe vor ihm immer in einer Fassungslosigkeit, die allein mein Glaube überwinden kann. Ermessen kann ich es nicht, aber ich glaube es.
Jesus bringt mir die Kunde vom Vater, die der Geist zuvor als Sehnsucht in mein Herz gelegt hat.
Ordnung
In Jesus verstehe ich auch Hierarchie.
Der Vater übergibt alles dem Sohn. Und auch wenn dieser es immer wieder dem Vater gibt, bin ich dem Sohn verantwortlich.
Gott hat den Menschen zum Haupt über die Erde gesetzt. Nicht als Sahnehäubchen, sondern als Verantwortlichen.
Die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes an der Schöpfung geschieht durch den Menschen – durch niemanden sonst.
Der ganze Sinn der Schöpfung ist erst in dem Menschen offenbar. Ohne Mensch bleibt der Sinn der Schöpfung ungesprochen – auch wenn viele das ganz anders sehen.
Ich schaue aus dem Fenster und sehe die Tulpen, die meine Frau durch ihr tun im Herbst bereitgestellt hat. Mir und uns zur Freude – und damit zum Lobpreis des Schöpfers. Die Tulpe dankt dem Himmel durch meine Augen.
Ein Dreiklang
Ein Dreiklang, auch wenn er ein Ton nach dem anderen gespielt wird, ist erst im Ganzen das, was er sein soll.
Eine griechische Aussage klingt schnell absolut, als wenn sie für sich allein gemeint ist. So ist hebräisches denken nicht.
Das Volk Gottes, Israel, wird den letzten Schalom mit dem Vater ebenso durch den Sohn empfangen. Aber vielleicht anders als ich.
Die Art und Weise, wie das geschieht, ist ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das schon viele Christen in die eigene Hand nehmen wollten, und dabei haben sie gern auch eine Brechstange benutzt – oder eben einen Scheiterhaufen.
Ob und wie Israel Jesus angenommen hat, kann ich nicht nach dem ersten Ton des Dreiklanges erkennen – aber ich habe schon den zweiten Ton gehört. Und dieser zeigt mir die herrliche Vollständigkeit des Dreiklanges schon an, wenn er auch noch nicht vollendet ist.
Zeugnis der Jüdin
Ihr leises Zeugnis zeigt mir auch eine Ordnung der Berufungen unter den Völkern.
Berufung schafft Gewicht – כָּבוֹד, das Wort, das zugleich Herrlichkeit bedeutet.
Sie spürt ihre Verantwortung zur Heiligkeit (das ist mein Begriff dafür) als Zeugnis Gottes für die Welt.
Sieh, wie fein dieses Volk lebt und erkenne daran Gott.
Und ich sehe es – wenn auch in mancherlei Schatten, wie sie es selbst benannte.
Die Eifersucht hat nun zwei Wege:
Suche die Quelle und lebe dein eigenes Zeugnis in Verantwortung.
Oder – und das ist heute der Standard: Zerschlage dieses heilige Gefäß.
Dass der Messias Israels mir gewissermaßen einen Vorabbesuch macht, lässt mich die Herrlichkeit Seiner ersten Liebe erahnen.
Ich erinnere daran, dass dies eine Andacht ist – keine theologische Ausarbeitung.