Do 23.04.2026
Joh 6:44-51 Mein Fleisch für die Welt
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
44 Niemand kann zu Mir kommen, wenn nicht der Vater, der Mich gesandt hat, ihn zieht; und Ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.
45 Es steht geschrieben in den Propheten: Und sie werden alle von Gott gelehrt sein. Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu Mir.
46 Nicht dass jemand den Vater gesehen hat, außer dem, der von Gott ist; dieser hat den Vater gesehen.
47 Amen, amen, Ich sage euch: Wer glaubt, hat das Leben der Ewigkeit.
48 Ich bin das Brot des Lebens.
49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon esse und nicht sterbe.
51 Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit. Und das Brot aber, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch für das Leben der Welt.
Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch):
– „ziehen“: betont ein inneres Heranziehen, nicht Zwang, sondern ein Angezogenwerden.
– „gelehrt von Gott“: stärker personal gedacht – ein inneres Hören und Empfangen.
– „glaubt“: mit der Nuance von Vertrauen und Sich-Anlehnen.
– „Leben der Ewigkeit“: wörtlich als gegenwärtige Wirklichkeit verstanden, nicht nur zukünftig.
– „Fleisch“: konkret, real gegeben – Hinweis auf Hingabe, nicht nur Bildsprache.
Weiter in diesem Kapitel sechs vom Leib Jesu
Die Taufe ist der Anfang
Oder die Bekehrung, je nach Tradition der Gemeinde.
Denn die Taufe ist Gottes. Er zieht den Menschen aus freiem Willen.
Nicht der Mensch wählt Gott, Gott wählt den Menschen.
Soweit die bekannte Gnadenlehre.
Nun aber zitiert Jesus in Vers 45 Jesaja 54,13.
Das ist kein Kekse-Picken, wie ich es oft erlebe. Menschen suchen sich einen Vers, oder auch einen halben Vers, der das bestätigt, was sie ohnehin meinen.
Sondern es ist ein Haken, an dem sich das Thema hängen soll, das dort steht.
In der Jesaja-Stelle geht es um die, die schon lange von Gott gezogen sind, die schon lange Sein Volk sind.
Und die viele schwere Prüfungen durchschritten haben. Das Volk ist gerade im babylonischen Exil. Es geht ihm schlecht – dorthinein redet Jesaja.
Spannung des Glaubens
Weiter im Vers 45 ist vom Hören und Lernen die Rede. Der, dessen Herz dem Ziehen Gottes so antwortet, dass er lernt, anders zu leben. Der in die Schule des Reiches Gottes geht. Nicht mit einem einzelnen Akt bin ich fertig und im Himmel. Sondern es ist der Eintritt in einen Weg. Einen Weg der Loslösung von meinem je Eigenen, wie oft beschrieben. Israel mit seinem Weg ist dabei Vorbild. Und darum ist dieser Text auch zuerst an Israel gerichtet, erst dann an die Welt.
Der Christ kommt in die babylonische Gefangenschaft und hört hier den Ruf Gottes, wie ihn Israel von Jesaja gehört hat. Ich lebe in dem alten „babylonischen“ Leben, als wäre es das Leben. Nun aber ist mein Herz in Jerusalem. Es entsteht eine Spannung – die nicht aufgelöst werden kann.
Viele wollen weiter sich selbst leben. Einzelne wollen vorzeitig nach Jerusalem fliehen und ein isoliertes, frommes Leben führen.
Israelstand
Wir planen am Samstag wieder einen Israelstand auf dem Buchholzer Markt.
Wir stehen da weniger für Israel, als vielmehr für Deutschland. Denn ich verbinde mich als Deutschen mit dem Volk Gottes – Israel.
Jesus redet im Evangelium zu Israel. Alle Verheißungen gelten Israel.
Nur in dem Maße, wie ich mit Israel verbunden bin, gelten sie auch für mich.
Es gibt keinen Weg in den Himmel an Israel vorbei.
Und es gibt kein persönliches Heil für mich allein.
Das persönliche Heil ist immer verbunden. Verbunden mit meiner Kirche, verbunden mit meinem Volk, Deutschland – und verbunden mit Israel.
Und ganz deutlich auch: Verbunden mit der Geschichte. Besonders der Israels. Der Sohn Gottes redet, indem er die Geschichte Israels erfüllt, hier insbesondere die Worte von Jesaja.
Wer also mit uns dienen will, die Verbindung zu „Vater und Mutter“ zu würdigen, ist eingeladen. Es ist Vollzug des Reiches Gottes. Und es ist offenbar dieses Hören und Lernen, von dem oben die Rede war. Kaum irgendwo lerne ich besser, mich mit „Jedermann“ zu verbinden, als auf dem Markt. Dort kommt „Jedermann“ vorbei.
Und Gott verbindet ihn mit uns.