Fr 24.04.2026
Joh 6:52-59 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt.
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
52 Da stritten die Juden untereinander und sagten: Wie kann Dieser uns Sein Fleisch zu essen geben?
53 Da sprach Jesus zu ihnen: Amen, amen, Ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und Sein Blut trinkt, habt ihr kein Leben in euch selbst.
54 Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, hat das Leben der Ewigkeit, und Ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.
55 Denn Mein Fleisch ist wahrhaft Speise, und Mein Blut ist wahrhaft Trank.
56 Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, bleibt in Mir und Ich in ihm.
57 Wie Mich der lebendige Vater gesandt hat und Ich lebe durch den Vater, so auch der, der Mich isst – er wird leben durch Mich.
58 Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; nicht wie die Väter gegessen haben und gestorben sind; wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
59 Dies sprach Er in der Synagoge, als Er in Kapernaum lehrte.
Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)
53 „habt ihr kein Leben in euch“ – aramäisch stärker: „ist kein Leben in euch“ (Sein fehlt, existenzieller).
54 „Leben der Ewigkeit“ – typisch semitisch: nicht abstrakt, sondern ein Leben, das zur Ewigkeit gehört.
56 „bleibt in Mir“ – aramäisch Nähe von „wohnen“, „verweilen“ (keine bloß geistige Verbindung).
57 „lebt durch Mich“ – wie ein abgeleitetes Leben: nicht nur von Ihm, sondern aus Ihm heraus.
Es geht weiter im Kapitel sechs, dem großen Text voller Geheimnisse
„Es muss anders gemeint sein.“
Anders, als es da steht. Wie soll ich es so verstehen?
Aber damit würde ich mich genau in die Juden von damals einreihen, die das auch gesagt haben.
Wenn es aber genau so gemeint ist – wende ich mich dann ab?
Vielleicht nicht gleich von Jesus, aber von diesem Text?
Oder zumindest von dem realen, konkreten Anspruch des Textes?
Eucharistie
In meiner katholischen Kirche esse ich den Leib Jesu real. Es ist genau so gemeint, wie es da steht. Ich glaube, dass die Substanz des Leibes Jesu in der Vereinigung mit meinem Leib eine substanzielle Veränderung in mir hervorruft.
Ich tue das nicht, weil ich das verstehe. Oder weil ich etwas spüre. Auch erlebe ich nichts Unmittelbares.
Es ist purer, reiner Glaube.
Mein Glaube und – Gott sei Dank – der Glaube der Kirche. Ohne den Glauben der Kirche würde ich das weder können noch machen.
Da habe ich also schon eine Frucht: Das bedingungslose angewiesen sein auf den Leib Jesu in Form Seiner Kirche. (⚡️)
Wort kauen
Jesus ist auch: das Wort. Das Wort, soweit ich dieses Wort hebräisch erkenne. Und nur in diesem semitischen Bewusstsein gilt es, im griechischen klingt es unterbewußt ganz anders. So wie das Wort „Erkennen“ im Hebräischen für unser Erkennen steht und zugleich für den Akt zwischen Mann und Frau, so bedeutet das Wort Jesu immer etwas Reales, „Fleischliches“.
Es ist keine Doppelbedeutung! Es ist dasselbe. Das ist ein Unterschied.
Kreuz Jesu
Jesus gibt Sein Fleisch als Gabe in unüberbietbarer Weise, im ausgepeitscht sein, im geschlagen sein, im gekreuzigt sein.
Wenn ich das annehme, also esse, bin ich real mit Ihm verbunden. Ich gehöre dann mit meinem ganzen Leib nicht mehr mir selbst.
Ich gehe hin, wo Er hingeht und ich tue, was ich Ihn tun sehe.
Und: Ich trage, ertrage und erleide, was Er erleidet.
Und wenn es mich Gesundheit und vielleicht das Leben kostet.
Es geht nicht um eine Zustimmung zu einem Glauben als Idee, als Prinzip.
Es geht um das hineingenommen werden in das Festgenagelt-Sein Jesu am Kreuz.
Erst da zeigt sich, ob ich dem ganzen Jesus glaube. Auch wenn ich es mir heute noch nicht vorstellen kann.
Zeugnis
Ich „kann“ das nicht. Das ist klar.
Aber ich glaube, dass Christus mit mir einen Weg gehen kann, den ich nicht gehen kann. Ohne dass ich ihn verstehe, mir vorstellen kann oder fühle.
Gestern sagte ein Freund zu etwas, das vermutlich sein Weg ist: „Das kann ich nicht“. Und das ist sicher wahr.
Es ist wie das Kopfschütteln der Juden angesichts der Worte Jesu.
Ich sehe nicht wie, ich sehe nicht, dass ich solchen kann – aber ich bleibe hier stehen und wenn ich Dich gehen sehe, folge ich Dir, auch ohne dass ich mir vorstellen kann, wohin der Weg führt.
Ich bezeuge, dass genau das geht.
Unauflösliches Geheimnis
Luther hat noch die Realpräsenz geglaubt, aber gerade in Freikirchen sehe ich das nirgends. Das ist gewiss nicht hinreichend.
Aber an der Eucharistie teilzunehmen und damit zu meinen, man erfülle das Wort Jesu vollständig, scheint mir ebenso nicht hinreichend.
Ich sage: Das Brennen des Geheimnisses kann auf Erden nicht aufgelöst werden.
Aber das entlässt mich nicht in einen neutralen Ort, in eine Flucht oder ein Abwenden.
In meiner Jugend war ich Übungsleiter (Karate). Wenn wir im Entengang unsere Kreise in der Turnhalle gingen, hörte ich bei manchen, auch oft bei mir: „Ich kann nicht mehr“. Dann sagte ich: „Wenn du nicht mehr kannst, noch eine Runde“.
Und wunderbarerweise ging diese Runde immer noch.
So auch im Glauben.
Ich kann noch glauben, auch wenn ich meine, dies und das könne ich nicht ertragen und darum auch nicht glauben.
Dann – glaube deinen Glauben weiter.