Sa 16.05.2026 Loccum, Konvent
Joh 16:23b-28 Im Namen Jesu
Der Text
23b Amen, amen, Ich sage euch: Was immer ihr den Vater bitten werdet in Meinem Namen, wird Er euch geben.
24 Bis jetzt habt ihr nichts gebeten in Meinem Namen. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude erfüllt sei.
25 Dies habe Ich in Bildreden zu euch gesprochen. Es kommt die Stunde, da Ich nicht mehr in Bildreden zu euch sprechen werde, sondern euch offen vom Vater verkündigen werde.
26 An jenem Tag werdet ihr bitten in Meinem Namen, und Ich sage euch nicht, dass Ich den Vater für euch bitten werde;
27 denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr Mich geliebt und geglaubt habt, dass Ich von Gott ausgegangen bin.
28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; wiederum verlasse Ich die Welt und gehe zum Vater.
Persönliches Erleben
Bei wichtigen geistlichen Treffen wie dem Konvent des Brüderlichen Kreises erlebe ich regelmäßig einen Tag der geistlichen Niedergeschlagenheit, einer tiefen Ernüchterung, bis hin zu Gedanken der Flucht, des Scheiterns.
Das Evangelium von heute steht dazu auf den ersten Blick im Kontrast. Es ist von Vollmacht die Rede. Von erfüllten Bitten und von Freude.
Und dazu kommt der Omer von heute. Er spricht davon, dass die Wahrheit bewohnbar werden soll. Und das ist genau das, was manche bei mir vermissen.
Dabei sehne ich mich sehr danach, dass es so sein möge.
Es ist ein seltsames Gefühl, in der Welt eher zu stören, als ihr zu dienen.
Omer Tag 44
חֶסֶד שֶׁבְּמַלְכוּת
(Chessed schebeMalchut)
„Liebe / Güte im Königtum“
Die Wahrheit soll nicht nur wahr sein, sie soll bewohnbar sein.
Denn die Wahrheit ist nicht einsam, auch wenn sie oft in der Einsamkeit geboren wird. Die Wahrheit sucht die Liebe und hat ihre Gültigkeit nur in der Liebe.
Das bedeutet aber auch, dass die erlebte Ohnmacht, eine existenzielle Ohnmacht ist. Ich habe nicht die Möglichkeit eines Rückzugs, ohne zugleich den Inhalt aufzugeben.
Dennoch
Die Situation, in der Jesus diese Worte sagt, ist die Situation des Abschiedes. Die Jünger werden zunächst die Dunkelheit des Wegganges Jesu erleben. Und sie werden ihre eigene Ohnmacht, ihren kleinen Glauben und ihre Angst erleben.
Vor diesem Hintergrund sind es schwer zu glaubende, fast prophetische WorteJesu.
Jesus steht auf einem anderen Berg und überblickt das Tal. Der Jünger überblickt sein eigenes Tal dagegen nicht.
So entscheide ich mich, Verbindung zu Dir zu halten. Verbindung zu Dem, der einen Weg aus dem Tal heraus kennt. Ganz gegen mein Gefühl und meine Stimmung.
Es ist ein Schritt der Reinigung des Glaubens. Und darum ein kostbarer, wohl unverzichtbarer Schritt.
Vom Vater ausgegangen
Ein Samenkorn ist der Satz, dass es um den Glauben geht, der glaubt, dass Jesus vom Vater ausgegangen ist.
Der Vater selbst ist in Seine Heiligkeit eingehüllt in Donner und Rauch auf dem Berge Sinai. Seine Wahrheit macht, dass ich erzittere. Menschen umhüllen sich mit Gesetzen und Geboten, oder sie flüchten in das, was sie machbar nennen.
Allein die Menschwerdung Gottes in Christus, macht Gott für den Menschen bewohnbar.
Du bist von Gott ausgegangen und Mensch geworden, damit wir in Dir, dem Menschen, Wohnung nehmen. Und so sind wir in Dir geborgen, auch wenn Du zum Vater zurückkehrst.
Unversehens kommen wir in Dir zum Vater, zu dem Du gegangen bist.
Umhülle mich mit Deiner Menschlichkeit, Herr Jesus.