Mi 20.05.2026
Joh 17:6a; 11b-19 Teil II des hohepriesterlichen Gebets
Der Text
6 Ich habe Deinen Namen den Menschen offenbart, die Du Mir aus der Welt gegeben hast.
11 Heiliger Vater, bewahre sie in Deinem Namen, den Du Mir gegeben hast, damit sie eins seien wie Wir.
12 Als Ich bei ihnen war, bewahrte Ich sie in Deinem Namen, den Du Mir gegeben hast; und Ich hütete sie, und keiner von ihnen ging verloren außer dem Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde.
13 Jetzt aber komme Ich zu Dir, und dies rede Ich in der Welt, damit sie Meine Freude in sich vollkommen haben.
14 Ich habe ihnen Dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, so wie Ich nicht von der Welt bin.
15 Ich bitte nicht, dass Du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass Du sie vor dem Bösen bewahrst.
16 Sie sind nicht von der Welt, so wie Ich nicht von der Welt bin.
17 Heilige sie in der Wahrheit; Dein Wort ist Wahrheit.
18 Wie Du Mich in die Welt gesandt hast, so habe auch Ich sie in die Welt gesandt.
19 Und für sie heilige Ich Mich selbst, damit auch sie Geheiligte seien in Wahrheit.
Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch):
11 „bewahren“ trägt den Gedanken von behüten, bewachen und treu festhalten.
14–16 „nicht von der Welt“ meint nicht räumliche Trennung, sondern eine andere Herkunft und Zugehörigkeit.
17 „heiligen“ bedeutet dort nicht nur moralisch reinigen, sondern für Gott ausgesondert und Ihm zugeordnet werden.
19 „Ich heilige Mich selbst“ hat den Klang einer bewussten Hingabe.
Ich heilige Mich für sie
Was aus mir wird, was mit mir wird, hat mit dem zu tun, was Jesus tat und vor allem: Was Er an sich zugelassen hat.
Nicht mit „Theologie des Neuen Testaments“ oder mit Unterschriften auf einer Urkunde, einem Dokument.
Es geht auch nicht um Lebensweisheit oder ein richtiges „Mindset“, also richtige Gedanken.
Mein Heil hängt mit dem konkreten leiblichen Ergehen Jesu zusammen.
Und darum auch: Das Leben meines Bruders hängt mit meinem Leib zusammen – nicht einfach mit den richtigen Worten.
Worte, die nichts kosten, gehören nicht zum Reich Gottes.
Omer Tag 48
מַלְכוּת שֶׁבְּיְסוֹד
Melchut schebeJessod, Königtum der Grundlage, der Verbundenheit.
Gemeint ist die Konkretheit, das sichtbarwerden der Wirklichkeit der Beziehung.
Nicht nur eine innere Wahrheit, sondern eine gelebte Wahrheit.
Ganz offenbar genau das, was Jesus mit Vers 19 ankündigt.
Worte und Wirklichkeit
Zunächst will ich das Verhältnis von Worten und Taten näher aneinander bringen.
Das geschieht unter anderem durch weniger Reden und weniger Informieren.
Höre ich Informationen, die mich nicht zu einer angemessenen Tat führen, schaden sie der Wirklichkeit. Sie entkoppeln Worte von Wahrheit, Wahrheit ist die wirksame Wahrheit, also die Wirklichkeit.
Es geht um das gehorchende Tun. Nicht um das Tun an sich. Das Tun irgendeiner guten Tat.
Ich höre Gott und bin entschieden, auf Ihn zu hören, also Ihm zu folgen.
Der Schwall von Worten, die ich höre, die aber nicht mit gehorchen, verwirklichen zu tun haben, ist immens.
Warum betone ich das so?
Problem der Zeit
Einmal scheint es mir zu den zentralen Problemen der Zeit zu gehören. Wir sind weit außerhalb dessen, was normal zu nennen ist. Ich auch, und es ist sehr schwer, dem ein Maß zu geben.
Aber es gibt einen weiteren Grund
Immer wenn ich wahrnehme, dass ich im Willen Gottes bin, fließt mir die notwendige Kraft zu. Und mehr noch: Der Friede Gottes umhüllt mich. Ich spüre dann unmittelbar die Glückseligkeit, von der die Bergpredigt redet.
Die Angst und das Misstrauen, dass Du etwas zu Schweres von mir willst verwehen dann. Sorgen lösen sich auf wie der Rauch einer erloschenen Kerze.
Ich fürchte immer weniger, im Dienst am Bruder überfordert zu werden, zu kurz zu kommen.
Ausblick
Es wird mich vielleicht nicht vor der dunklen Nacht bewahren. Aber wohl vor der Angst davor. Das Tal der Todesschatten ergreift den nicht, der auf dem schmalen Pfad wandert, im Joch Jesu wandelt.
Denn die Angst vor der Dunkelheit gibt ihr erst ihre Macht.
Unverschuldete Dunkelheit trägt die Dunkelheit des Bruders. Sie ist nicht mein Feind, sie ist Zeuge meiner Verbundenheit mit ihm.
Zeuge der Zugehörigkeit, dem jesod des Reiches Gottes.