Nicht auf der Sachebene

Sa 23.05.2026 🇮🇱 Israelstand

Joh 21:19b-25 Petrus und Johannes

Der Text

19b Und nachdem Er dies gesagt hatte, spricht Er zu ihm: Folge Mir nach!

20 Petrus wandte sich um und sieht den Jünger nachfolgen, den Jesus liebte, der sich auch beim Mahl an Seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der Dich ausliefert?

21 Als Petrus diesen sieht, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem?

22 Jesus spricht zu ihm: Wenn Ich will, dass er bleibe, bis Ich komme — was geht es dich an? Du folge Mir nach!

23 Daher ging dieses Wort unter die Brüder hinaus, dass jener Jünger nicht sterbe. Doch Jesus hatte ihm nicht gesagt, dass er nicht sterbe, sondern: Wenn Ich will, dass er bleibe, bis Ich komme — was geht es dich an?

24 Dieser ist der Jünger, der über diese Dinge Zeugnis ablegt und dies geschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.

25 Es gibt aber auch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn dies eines nach dem anderen geschrieben würde, so glaube ich, dass selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen würde.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

– „Folge Mir nach“ trägt im Aramäischen noch stärker den Gedanken des Mitgehens auf demselben Weg, nicht nur des Hinterhergehens.

– „Was geht es dich an?“ ist sehr direkt formuliert. Der Blick auf die Berufung des anderen wird zurückgewiesen. Petrus soll nicht vergleichen, sondern folgen.

– „Bleibe“ erinnert sprachlich an das große johanneische Thema des Bleibens: in Ihm bleiben, in Seiner Liebe bleiben, im Wort bleiben.

– „Zeugnis“ ist im semitischen Denken nicht nur Bericht, sondern ein Einstehen mit der eigenen Person.

Wirklich so viele Bücher?

Kann denn Jesus so viel getan haben, dass man es nicht in ein paar Dutzend Büchern hätte notieren können? Johannes scheint zu übertreiben – aber das ist nicht sein Stil.

Was meint er denn dann?

Ich vermute, er meint das, was Jesus an jedem Menschen getan hat.

Das, was Jesus für Petrus bedeutet, ist eine andere Geschichte als das, was Er für Johannes bedeutet. Darum sind die Evangelien so unterschiedlich, auch wenn es erkennbare Übereinstimmungen gibt.

Und es ist eine wirkliche Geschichte, es ist die Geschichte, die zählt.
Was es für Johannes bedeutet, dass er an Jesu Brust gelegen hat, ist etwas anderes, als was es für Petrus bedeutet. Eine andere Geschichte.

Die Macht der Sachebene

Ich erlebe es, eher bei Männern, dass sie auf der Sachebene argumentieren. Ich kenne das von mir selbst.
Aber auch sie leben dort nicht. Sie leben eher in der Ebene von Respekt und Anerkennung. Und darum auch die Sachebene als „Schlachtfeld der Argumentation“. Dort geht es um faktische Siege, die man sehen und beweisen kann.

Aber die Wahrheit der Geschichte ist eine Wahrheit der Beziehung, der persönlichen, existenziellen Beziehung. Zu sich selbst, zur Transzendenz und zum anderen.

Mit anderen Worten: zum Gewissen, zu Jesus Christus und zum Bruder.

Die Ordnung gründet dort – nicht auf der Sachebene.

Die „Welt-Ebene“

Ich möchte die Sachebene auch Welt-Ebene nennen. Auf ihr geschehen die sichtbaren Dinge. Die Dinge, die scheinbar herrschen – und doch sind sie Knechte des Geistes. Entweder des Geistes von unten, vom irdischen her. Oder Knechte des Geistes, vom Vater her.

Nachfolge Jesu kann wie Knechtschaft und Erniedrigung scheinen. Oder sie ist köstliche Gemeinschaft mit dem Liebhaber. Die Sache ist dieselbe, die Geschichte eine ganz andere – eine personal eigene Geschichte.

Ich hebe die Sachebene nicht auf oder erkläre sie für unwichtig! Sie kann und soll mir dienen.

Aber ich frage, wessen Knecht sie ist.

Will ich mit dem Geist des Selbst die Sache verzwecken?

Oder will ich „Berge“ – Sachberge! – mit der Beziehung zum Vater versetzen.

Folge mir nach

Das ist Jesu Antwort auf die Sachfragen des Petrus.

In der Nachfolge Jesu offenbart sich mein Herz. Dort, und nirgends anderes, erhalte ich meine Geschichte, die Geschichte meiner Person, meines Namens.

Erst viel später werde ich sehen, was das für „die Sache Jesu“ bedeutet hat und bedeutet.

Menschen klammern sich an die Sachebene wie Ertrinkende. Wie schmerzt es mich, das mit anzusehen. Sie wollen sich von etwas retten lassen, das doch wieder sie selbst sind. Ihre Vernunft, ihre Wahrheit, ihre Ehre.

Aber ich brauche jemanden anders, der mich rettet. Und ich brauche eine freie Hand, um mich von Ihm ergreifen zu lassen. Die Hand, die gerade noch mich selbst festgehalten hat.

Glaube ist so: Aufgabe der Selbstrettung.

Aufgabe der eigenen Macht.

Aufgabe des Machtmittels Sachargument.

Und offenbart, wem meine Liebe gehört.

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