Mo 25.05.2026 Pfingstmontag
Joh 15:26–27; 16:1–3.12–15
Der Text
26 Wenn aber der Beistand kommt, Den Ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, Der vom Vater ausgeht — Jener wird Zeugnis von Mir geben.
27 Aber auch ihr gebt Zeugnis, weil ihr von Anfang an bei Mir seid.
1 Dies habe Ich zu euch geredet, damit ihr nicht zu Fall kommt.
2 Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen. Ja, es kommt die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst darzubringen.
3 Und dies werden sie tun, weil sie weder den Vater erkannt haben noch Mich.
12 Noch vieles habe Ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber Jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird Er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn Er wird nicht aus Sich selbst reden, sondern was Er hören wird, das wird Er reden, und das Kommende wird Er euch verkündigen.
14 Er wird Mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird Er nehmen und euch verkündigen.
15 Alles, was der Vater hat, ist Mein; darum sagte Ich, dass Er von dem Meinen nimmt und euch verkündigen wird.
Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)
15,26 „Geist der Wahrheit“ trägt im Syrischen stark den Klang von Wirklichkeit und Treue in sich — nicht nur richtige Lehre, sondern das, was wirklich Bestand hat.
16,2 „einen Dienst darzubringen“ steht nahe bei kultischem Gottesdienst. Die Gefahr ist nicht bloß Feindschaft, sondern religiös gerechtfertigte Gewalt.
16,13 „in die ganze Wahrheit führen“ meint keinen bloßen Informationszuwachs. Das Bild ist eher ein Hineinführen auf einem Weg.
Wie viel Wahrheit ist außerhalb des Hl. Geistes?
Wahrheit, die Existenz betreffend – nicht wissenschaftliche oder intellektuelle Wahrheit.
Ich sehe in vielen Kulturen Wahrheit. Aber je mehr die Offenbarung des Heiligen Geistes in die Welt kommt, desto mehr polarisiert sie sich. Die unmittelbare Wahrheit eines Kindes weicht der Rebellion eines Jugendlichen.
Es ist weniger die Unkenntnis als viel mehr das vermeintliche Recht auf eine eigene Wahrheit.
Mir scheint, das geschieht in Wellen und es ist schwer erkennbar, wann eine Welle wieder abebbt – oder am Ende überhaupt nicht mehr vergeht.
Die Kirche beherbergt die Wahrheit
Das ist in meiner Umgebung ein provokanter Satz.
Aber ich bin gewiss, dass ein Buch allein nicht die Wahrheit beinhalten kann. Denn die Wahrheit ist eine Person!
Und die Kirche ist der Leib Christi. Christus wandelt im Gewand der Kirche durch die Zeit, so haben wir es gestern gesungen.
Aber Achtung: Schon zu Jesu Zeit hat die Kirche der damaligen Zeit, also das Judentum, geglaubt, sie hätte die Wahrheit in ihrer eigenen Erkenntnis, in ihrem Wissen.
Die Wahrheit nähert sich nur dem Demütigen
Dem, der Eucharistie verstehen will, bleibt nur das Erinnerungsmahl. Denn sie ist nicht zu verstehen – nur zu glauben, zu empfangen.
Die Wahrheit offenbart sich in der Nachfolge. Sie führt einen Weg nach unten, so wie Jesus den „unteren Weg“ gegangen ist. Sie erzwingt ihre Annahme nicht, besonders nicht durch Argumente. Sie fließt in offene Gefäße, die ihre Öffnung nach oben hin haben.
Scheidung
Es ist weniger so, dass die Wahrheit das Falsche ausscheidet oder absondert. Sondern das Falsche sondert die Wahrheit aus.
Die Kinder der Lüge ertragen die Kinder des Lichtes nicht, je mehr sie erkennbar werden.
Du, Herr, kamst nicht zum Gericht in die Welt – aber die Welt hat Dich gerichtet.
Denn die Wahrheit erregt Anstoß.
Ich nenne solchen Anstoß
Der Menschensohn
Der Menschensohn ist zugleich Gottes Sohn. Der große Anstoß für Jesu Volk. Denn der Heilige Geist hatte dies bis dahin nur in verhüllter Weise bekannt gemacht. Denn „sie konnten es noch nicht tragen“ V12.
Und: das Problem war, dass DIESER, der Messias war. Nicht der, der erwartete, herrliche, politisch erlösende.
Israel
Heute lehnen viele die Offenbarung Gottes in DIESEM konkreten Staat Israel ab. Und es ist auch schwer zu erkennen, bei all dem sehr menschlichen und politischen dort.
Vielleicht etwas ähnlich der Oblate in der Eucharistie. An ihr erkenne ich Jesus nicht – aber ich vertraue auf Gott in meiner Annahme dieser Oblate als Fleisch Jesu.
Die Offenbarung Gottes bindet sich oft an etwas Ärgerliches, Konkretes, Menschliches und äußerlich Unscheinbares. Und bleibt gültig trotz mancher Mängel der irdischen Form.
Nikodemus verstand Jesus nicht – aber er ging zu Ihm und er bewahrte Seine Worte. Sie sind uns überliefert bis heute – also hat er sie als Schatz der jungen Gemeinde offenbart.
Ich gehe zu Israel, ohne zu verstehen. Ich verstehe die Politik nicht und ich verstehe die Gewalt nicht. Genau genommen verstehe ich auch Gott nicht – aber ich vertraue Ihm.
Es ist etwa so, wie mit der Heimat. Ich verstehe sie nicht – ich lebe in ihr. Und ich verteidige sie in meinem Herzen. Ich bin ihr treu und diene Ihr.
Auch wenn mir vielleicht manches nicht sympathisch ist. Es ist doch „meine Mutter“, wie ich einmal im Blick auf Israel sagte.
Israel ist meine Mutter – ich kann sie nicht Nicht-Lieben.