Welchen Dingen gebe ich Wert?

Fr 19.06.2026

Mt 6:19-23 Vom Schätze sammeln

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

19 Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören und wo Diebe einbrechen und stehlen.

20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost zerstören und wo Diebe nicht einbrechen noch stehlen.

21 Denn wo dein Schatz ist, dort wird auch dein Herz sein.

22 Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib licht sein.

23 Wenn aber dein Auge böse ist, wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist dann die Finsternis!

Anmerkungen zur Peschitta

22 Das aramäische Wort für „einfältig“ trägt den Gedanken von Einfachheit, Lauterkeit, Ungeteiltheit und Großzügigkeit in sich. Es geht nicht um Naivität, sondern um einen innerlich ungeteilten Blick.

23 Das „böse Auge“ ist im semitischen Sprachraum eine bekannte Redewendung für Neid, Missgunst, Geiz oder einen verdorbenen Blick auf den Mitmenschen. Dem guten Auge steht das großzügige Auge gegenüber.

21 Die Peschitta bewahrt die enge Verbindung zwischen Schatz und Herz. Das Herz folgt dem, was ein Mensch als wertvoll betrachtet. Es beschreibt nicht nur Gefühle, sondern die Mitte des Menschen, aus der Entscheidungen hervorgehen.

Wie groß ist dann die Finsternis?

Oha, so wichtig ist das Thema?

Gibt es denn nicht viele wichtige Themen? Lebe ich mit dem Thema Geld nicht einigermaßen gut?

Aber woher weiß ich, dass es in mir nicht finster ist? Habe ich schon immer im Halbschatten gelebt, so erscheint mir dieser Halbschatten als das normale Licht und ich erkenne keinen oder nur unwesentliche Mängel.

Wer zeigt mir den Maßstab für Licht?

Sicher nicht die, die mir nach dem Mund reden.

Einen Wert geben

Die Aufmerksamkeit meines Herzens ist der Wert, den ich geben kann.

Das ist Intensität, Ungeteiltheit, Dauer, Wiederholung.

Aber auch die Entscheidung gegen den Wettbewerb. Was will meine Aufmerksamkeit, wie attraktiv oder emotional ist es? Ist es gar Angst, einer der großen Mächte? Angst vor dem Sterben des Leibes? Zum Beispiel „weil ich pleite bin“?

Dabei ist es wichtig, wohin ich meine Aufmerksamkeit gebe, wenn sie noch nicht verlangt wird. Denn darin steckt meine Freiheit.
Denke ich an den Anderen, an meine Frau, wenn ich es (noch) nicht müsste?

Genauer: Ich gebe in Freiheit meine Freiheit und entscheide mich für jemanden. Denn nur die verschenkte Freiheit ist Ausdruck meiner Würde. Nicht meine Bedürftigkeit oder meine Gewohnheit.

Wem oder was gebe ich meine Aufmerksamkeit?

Dem, was mir einen Nutzen verspricht? Eine Wirkung, einen Erfolg?

Dann verschwende ich meine „Augen“ meine Aufmerksamkeit – meine Würde.

Oder dem, auf den meine Gottesbildlichkeit meinen Blick lenken will.

Dem Anderen, dem, der mir gegeben ist.

Aber auch der Sache, für die ich Verantwortung habe.

Dem ganz Kleinen, das mich anschaut und mit keinem Lohn locken kann, außer der Wahrheit, dass ich es bin, der sich darum kümmern kann und soll.

Das ist zum Beispiel die unaufgeräumte Küche oder das lange nicht geputzte Fenster.

Oder die Dinge, die in meiner Verfügung sind, aber ein einsames Leben im Keller, in der Schublade oder im Regal führen.

Das Geld auf meinem Konto, das schimmelnd herumliegt, weil es nicht arbeitet. Geld ist kondensierte Arbeit, so meine Formulierung. Es will und soll arbeiten. Lange Ruhezeiten machen es klebrig und verengen mein Herz.

Wer sagt es mir?

Ich vergesse oft Namen.

Das mag an meinem Gedächtnis liegen – aber vielleicht auch an der Dunkelheit in meinem Inneren. Wie wichtig ist mir der Name, der Geburtstag des anderen, wie wichtig ist die Person, auch wenn sie nicht anwesend ist?

Lebe ich zumeist in der Beantwortung eines Reizes (was gerade dran ist) – und welchen Preis bezahle ich in Form von Üben und Wiederholen von Namen und Geburtstag?

Gestern hat eine Enkelin meine Frau besucht. Es ging ihr um meine Frau.

Offenbar strahlt meine Frau mehr Aufmerksamkeit aus als ich. Und sie ist es, die immer an alle denkt und ihr Leben verströmt an unsere große Familie.

In ihrem Licht erkenne ich das Dämmerlicht in meinem Herzen.

Wie köstlich ist es, das Auge für das Licht zu öffnen!

Hinterlasse einen Kommentar