Sa 20.06.2026
Mt 6:24-34 Sorgt euch nicht
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
24 Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
25 Deshalb sage Ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
26 Seht die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht und sammeln nicht in Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
27 Wer aber von euch kann durch sein Sorgen seiner Lebensspanne eine einzige Elle hinzufügen?
28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie mühen sich nicht und spinnen nicht.
29 Ich sage euch aber: Nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit war bekleidet wie eine von ihnen.
30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird Er nicht vielmehr euch kleiden, ihr Kleingläubigen?
31 So sorgt euch nun nicht und sagt nicht: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Womit sollen wir uns kleiden?
32 Denn nach all diesen Dingen trachten die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja, dass ihr dies alles benötigt.
33 Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
34 So sorgt euch nun nicht um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.
Anmerkungen zur Peschitta
24 Das aramäische Wort für „Mammon“ bezeichnet Besitz, Vermögen oder Reichtum. Es ist nicht das Geld an sich, sondern die Macht des Vertrauens auf Besitz, die dem Vertrauen auf Gott gegenübergestellt wird.
27 Die aramäische Form kann sowohl die Lebensspanne als auch die Körpergröße meinen. Der Sinn bleibt: Sorgen vermag dem Menschen nichts Wesentliches hinzuzufügen.
Geht es um Weisheit oder Wunder?
Ich bin skeptisch, einen Text so zu deuten, dass man auf Wunder hoffen soll, gar auf Wunder bauen soll. Hier zum Beispiel Wunder der Versorgung. Vielleicht.
An ein Wunder muss ich glauben.
Was kann ich denn wirklich glauben?
Was glaube ich wie ein Keim, lebe es aber kaum?
Erleben
Nach meiner Andacht gestern habe ich Schränke geöffnet, um Unterlagen und Papiere zu entsorgen (welch schönes Wort).
Mir fielen Ausbildungsunterlagen in die Hand. Dinge, die ich doch noch für sinnvoll halte. Phänomenologie, Gesprächstherapie, meine eigenen Unterlagen zur Schulung in der Erwachsenenbildung und vieles andere Kostbare.
Aber mein eigentliches Ziel in der Beratung ist immer weniger, klug zu sein und durch Wissen und Technik zu helfen. Durch den „Methodenkoffer“, wie es ein Ausbilder einmal nannte.
Sondern existenziell Teil des Geschehens zu sein. Mich in Gott dem Anderen ganz zur Verfügung stellen. Zu wagen, was gewagt werden soll, und weniger die Sicherheit von Wissen dazwischenzuschieben. Dazu brauche ich keine gedruckten Ausbildungsunterlagen.
Du (Gott) bist da, mein Herz ist da – was wirklich in meinem Kopf gebraucht wird, ist auch da. Zwischen mir und dem anderen soll kein Informationsvorsprung stehen.
Schematisch gesagt: Entweder ich arbeite viel mit meinen Vorräten – oder mit dem lebendigen Gott.
Wer ist Basis meines Lebens?
Das, was ich schon gelernt, erarbeitet, gesammelt und verdient habe – oder Du?
Bin ich ein Informationsmanager – oder ein Lebendig-Bezogener, einer, der Dich jetzt hört und von Dir jetzt erfährt, was nötig ist?
Frage ich das Archiv, frage ich Google, frage ich die KI – oder frage ich Dich?
Sammle ich, um zu haben, oder sammle ich, um zu werden?
Der Gewordene braucht immer weniger zum Haben. Die Dinge haben ihm gedient, damit er werde, was er sein soll – und treten nun zurück.
Pfingsten
Die Pfingstgemeinde im Obergemach hatte alles, was sie für dieses große Werk brauchte. Zum einen durch ihr Gewordensein in den Jahren mit Jesus. Und durch ihr Bezogensein auf den Geist Gottes.
Der Geist Gottes konnte in ihnen anwenden, was aus dem lebendigen und dem überlieferten Wort zu ihrer Substanz geworden war.
Eine enorme Freiheit. Die innere und äußere Freiheit erlaubte dem Geist, zu tun, was jetzt gut war – den Leib Jesu in die Welt zu bringen.
Es ist das, was die Juden im Laubhüttenfest einüben wollen.
Baue dir kein sicheres Haus, in dem du die Wolke Gottes, die Schechina, nicht mehr sehen und erleben kannst. Sondern eine leichte Hütte, durch deren Dach du zumindest drei Sterne sehen kannst.
Mammon ist eine Fußfessel. Aber es ist mehr als der Mammon. Es ist auch alles gehabte, besessene.
Wie oft erwähnt, hat Hebräisch kein Wort für „haben“. Sondern alle Zeit ist es nur etwas, was mir gerade zum Gebrauchen anvertraut ist – jetzt.