Do 25.06.2026
Mt 7:21-29 „Weg von mir, ihr Gesetzlosen“
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
21 Nicht jeder, der zu Mir sagt: „Herr, Herr“, wird in das Reich der Himmel hineingehen, sondern der, der den Willen Meines Vaters tut, Der in den Himmeln ist.
22 Viele werden an jenem Tag zu Mir sagen: „Herr, Herr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt und in Deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in Deinem Namen viele Machttaten getan?“
23 Und dann werde Ich ihnen offen erklären: „Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von Mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit!“
24 Jeder nun, der diese Meine Worte hört und sie tut, wird einem klugen Mann gleichen, der sein Haus auf den Felsen baute.
25 Und der Regen fiel herab, die Wasserströme kamen, die Winde wehten und stießen gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet.
26 Und jeder, der diese Meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf den Sand baute.
27 Und der Regen fiel herab, die Wasserströme kamen, die Winde wehten und prallten gegen jenes Haus; und es fiel, und sein Einsturz war groß.
28 Und es geschah, als Jesus diese Worte vollendet hatte, da gerieten die Volksmengen außer sich über Seine Lehre.
29 Denn Er lehrte sie wie Einer, Der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.
Psalm 6,9
Jesus zitiert Psalm 6,9 genauso, wie er in der Septuaginta steht: „Weicht von Mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit“.
Wenn ich das Original lese, staune ich, wie Jesus diesen Vers in diesen Zusammenhang bringt. Es ist der erste Bußpsalm, und er handelt von Buße in der Anfechtung.
Es scheint so, dass Jesus sich mit dem Opfer der Gesetzlosigkeit identifiziert.
Wer also die Thora übertritt, ihr nicht folgt, handelt schmerzhaft an Jesus. Denn Jesus ist in gewisser Weise „die Thora“.
Die Thora, die Eltern und Jesus
In meinen Hebräischübungen gestern habe ich entdeckt, dass das Wort für Eltern, הוֹרִים, die Wurzel יָרָה hat, genauso wie Weisung und eben Thora.
Jesus ist die personifizierte Weisung, die „Thora in Person“, wie es in gewisser Weise auch Eltern sind oder sein sollen.
Es ist die Weisung des Weges – Jesus ist der Weg.
Erleben
Gestern hat Robert in der Männerrunde von seinem Weg in der Ehe gesprochen. Er sagte unter anderem sinngemäß: Alles, was in die Gemeinschaft führt, zeigt den richtigen Weg an. Es ist wie ein Kompass.
Andersherum: Alles, was der Gemeinschaft schadet, trifft den Leib Jesu in der Weise, wie es Psalm 6 ausdrückt. Du, Herr Jesus, trägst die Last der Gesetzlosigkeit an Deiner ganzen Seele – als wenn Du selbst der Übeltäter wärest.
Wegweisung
Darum ist Wegweisung auch kein Gesetz in unserem Sinn. Kein „Buchstabe“. Sondern eine Beziehung.
Ich folge nicht meiner Weisheit oder meiner Erkenntnis, meiner Auslegung der Bibel. Sondern ich will Dir Freude machen, indem ich Dir folge. Von außen sieht es oft wie Gesetzestreue aus. Von innen ist es Treue zu einer lebendigen Person.
Das Hebräische kennt grammatikalisch kein Neutrum. Sprachlich ist jedes Substantiv entweder männlich oder weiblich. Ich kann daher – zumindest sprachlich – keinem „Es“, keiner bloßen Sache folgen.
Die Thora ist mehr als die Summe ihrer Weisungen. Es ist eine lebendige Hinführung in die Nachfolge Christi.
Beziehung drückt sich durch die Tat aus
Die Inkarnation Gottes ist die Offenbarung, dass die Schöpfung mehr ist als eine Absonderung Gottes. Sondern sie drückt den Schöpfer aus.
Wandle ich in autonomem Handeln durch die Welt, bin ich nicht Teil der Ordnung Gottes.
Ein Freund setzt sich für die richtige Benennung von Maria in seiner Gemeinde ein. Wunderbar. Grundlegend. Mutig.
Aber nun weiter: Welche konkrete Tat folgt daraus? Was ändert sich in der Praxis? Maria braucht mehr als eine richtige Lehre über sie – auch wenn das ein guter Anfang ist.
Maria verbindet mich selbst mit der Leiblichkeit Jesu. Was bedeutet das?
Das gilt es weiter ins Leben zu bringen.
Nachtrag
Die KI hat meinen Text zunächst nicht verstanden. Nach meinen Erläuterungen schlägt sie folgende Klärung vor:
„Lese ich Psalm 6 mit Christus als dem eigentlichen Sprecher, gewinnen seine Worte eine neue Tiefe. Der leidende Gerechte ist dann Der, der die Last der Gesetzlosigkeit der Welt trägt. Von dort her erhält auch Jesu Zitat in Matthäus 7 sein besonderes Gewicht.“
Ja, ich lese Psalmen mit den Kirchenvätern auch als „vox Chriti“ – Stimme Christi.