So 28.06.2026
Mt 10:37-42 Entzweiung um Jesu willen,
Aufnahme um Jesu willen.
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig.
38 Und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und Mir nachfolgt, ist Meiner nicht würdig.
39 Wer sein Leben findet, wird es verlieren; und wer sein Leben um Meinetwillen verliert, wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt, nimmt Mich auf; und wer Mich aufnimmt, nimmt Den auf, Der Mich gesandt hat.
41 Wer einen Propheten aufnimmt im Namen eines Propheten, wird den Lohn eines Propheten empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt im Namen eines Gerechten, wird den Lohn eines Gerechten empfangen.
42 Und wer einem dieser Kleinen auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt im Namen eines Jüngers – wahrlich, Ich sage euch: Er wird seinen Lohn gewiss nicht verlieren.
Wer ist ein Prophet?
Ist es eine Hülse, durch die Gott redet?
Immer wieder höre ich gerade von frommen Christen: „Das habe nicht ich gemacht, das hat Gott gemacht/gewirkt.“ So, oder so ähnlich.
Also bitte: Mir keine Ehre, alle Ehre Gott.
Klingt sehr schön fromm – und macht mir immer Bauchschmerzen.
Jesus sagt: Wer einen Propheten aufnimmt, oder einen Gerechten, oder einen Jünger.
Zwar ist in einem Jünger auch immer der Herr anwesend. Aber er „besetzt“ ihn nicht, wie Dämonen es tun.
Sonst könnte niemand in die Finsternis geworfen werden, wo er heult und mit den Zähnen knirscht, wie es gestern das Thema war.
Ich knirsche mit den Zähnen, weil ich etwas gemacht habe, von dem ich wusste das es falsch ist. Oder, mehr noch: Weil ich etwas nicht gemacht habe, was ich doch gewußt habe, es tun sollen.
Nicht weil Jesus „vergessen“ hat, in mir zu wirken, und deshalb nichts Gutes passiert ist.
Vorkommen der Person im Heiligen
Ich bin nicht nur eine Person in der Abwendung von Gott. In der Schuld. Das ständige Reden von Gottes alleinigem Wirken im Guten kann mich so aus der Verantwortung entlassen.
Wenn dem so wäre, könnte ich auch nicht recht schuldig werden, denn alles Gute wäre Gottes, was klagt Er mich dann an?
Aber so ist es nicht.
Ich bin auch ich und in diesem Ich-sein verantwortlich, Gutes zu tun.
Ich habe versucht, ein Bild dafür zu finden.
Der gute Knecht
Eliëser war der Knecht Abrahams.
Er war ein guter Knecht, der schon seit den Tagen Abrahams in Damaskus zu ihm gehörte. Ein Knecht, in dem Abraham seinen Nachfolger sehen konnte – auch wenn er es dann nicht wurde.
Ein Knecht, der zwar mit einem Auftrag, aber in voller eigener Verantwortung zurück nach Haram ging, um für Isaak eine Braut zu finden.
Er, Eliëser, er war es, der die Braut richtig auswählte.
Gott lässt sich Sein Werk durch Menschen ergänzen, oder gar gestaltend ausführen.
Nicht ohne Gott, der alles bereitet und gegeben hat. Aber auch nicht ohne den freien Menschen in seinem eigenen Tun und Entscheiden.
Jesus ist am Kreuz für mich gestorben – nicht der Vater. Er war selbst der Handelnde und nicht bloß eine Hülle göttlichen Wirkens.
Geheimnisvoll
Gestern sprach ich mit einem Nichtgläubigen über das Christentum. Er sei auch deshalb kein Christ, weil so viel Gewalt, Krieg und Böses mit Religion – auch dem Christentum – verbunden sei.
Meine Erwiderung war: Das Wertvollste zeigt sich auch daran, dass sein Missbrauch besonders schrecklich ist.
So auch hier.
Die eigene Verantwortung kann schnell in eine falsche eigene Ehre münden. Sehr schnell.
Das heißt aber nicht, dass ich sicher bin, wenn ich alles Gute immer auf Gott schiebe.
Schon Luther soll gesagt haben, er bereite eine Predigt vor, als wenn alles an ihm hinge. Und dennoch hänge alles an Gott.
Mein Stand
Gott ist mein Herr und ich bin sehr gerne Sein Knecht. Was Du mir an Verantwortung gibst, will ich selbst und mit aller Kraft ausführen. Denn alles hat mit meiner Hingabe zu tun.
Aber es bleibt immer Dein Weg, Deine Werkzeuge, Dich als Ursache, als Quelle von allem.
Mein Ringen geht weniger um das Werk selbst, als um das Werk zu Deiner Freude. Ich mache es für Dich, weil ich Deiner Gutheit zustimme, Dir zustimme.
Du beschenkst Dich in mir nicht durch Dich selbst.
Sondern ich kann Dich erfreuen, indem ich alles Dir darbringe.
So ist mein Stand – ich höre gerne Korrekturen.
Anhang:
Ich lasse meine Andachten von der KI niterfragen. Ein Punkt war:
„7. Die Grundfrage
Mich erinnert deine ganze Andacht weniger an Luther als an das große Ringen zwischen Augustinus und Pelagius – allerdings mit einer deutlichen Nähe zur östlichen Kirche.
Die Ostkirche spricht von Synergie: Gott wirkt zuerst, trägt und ermöglicht alles; der Mensch antwortet aber als wirkliche Person. Er ist weder bloß Zuschauer noch Marionette.
Das scheint mir deinem Denken sehr nahe zu kommen.“
Ja, andere haben es offenbar auch schon bedacht. Aber doch ist es in mir geboren wie in den Brüdern.