Mo 29.06.2026
Mt 16:13-19 Bekenntnis des Petrus, seine Berufung
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
13 Als Jesus aber in die Gegend von Cäsarea des Philippus gekommen war, fragte Er Seine Jünger und sprach: „Wer sagen die Menschen, dass der Sohn des Menschen ist?“
14 Sie aber sprachen: „Die einen: Johannes der Täufer; andere aber: Elia; andere wiederum: Jeremia oder einer der Propheten.“
15 Er spricht zu ihnen: „Ihr aber, wer sagt ihr, dass Ich bin?“
16 Simon Petrus aber antwortete und sprach: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“
17 Jesus antwortete und sprach zu ihm: „Glückselig bist du, Simon Bar-Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern Mein Vater, Der in den Himmeln ist.
18 Aber auch Ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde Ich Meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein; und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.“
Was sagen die Menschen?
Die Menschen da draußen.
Es sind die Menschen, die mal was gehört haben, vielleicht bei der Bergpredigt waren, oder auch mal eine Woche mitgegangen sind. Sie meinen, schon eine Meinung zu Jesus von Nazareth haben zu dürfen.
Ist eben der Täufer – oder nein, Er ist Elia oder warte, vielleicht Jeremia.
Sie haben eine Meinung – obwohl sie es weder genau wissen wollen, es für ihr Leben Konsequenzen hat oder sie z. B. Petrus gefragt haben.
Wer nicht wirklich existenziell wissen will, wer Jesus ist, für den wird er nie der sein, der er ist.
Israel
Viele Menschen urteilen über Israel wie die Leute in diesem Text. Häufig jedoch sehr kritisch. Manche meinen, es auch ganz genau zu wissen, z. B. besser als ich. Und sie stellen keine Fragen.
Ich habe gestern mit einer Jüdin aus der Nähe von Ariel in Israel gesprochen. Einer Frau, die man Siedlerin nennen kann, denn Ariel liegt in Samarien.
Sie sagte mir: „Ihr kennt Jesus nicht als Juden.“ Und es klang in meinem Ohr, als sagte sie: Also kennt ihr Jesus auch nicht.
Und ich spüre, wie recht sie hat. Ich kenne Seine Heimat sehr wenig. Ich kenne Seine Tradition wenig. Ich kenne Seine religiöse Bildung und Formung fast gar nicht. Was bilde ich mir ein, Ihn zu kennen?
Ja, ich kenne Dich aus manchem – aber ich spüre, es wird Zeit für mehr.
Ich möchte Israel als Nicht-Tourist besuchen. Besonders Samarien und Judäa. Also nicht nur die Orte, an denen Jesus ging. Auch die Orte, die Sein Volk geprägt haben. Denn Seine Menschwerdung geschah nicht nur in einem irdischen Leib, sondern auch in der Geschichte. In dieser Geschichte war der Sohn Gottes längst gegenwärtig.
Ich möchte Seine Sprache lernen (ich bleibe bei Hebräisch, Aramäisch werde ich nicht mehr schaffen).
Ich möchte Seine Religion kennenlernen, denn Er war nicht nur genetisch Jude (von Maria her), sondern auch religiös.
Katholisch
Ich habe diesen Weg vor fast dreißig Jahren angefangen und dann unterbrochen. Ich musste erst meine eigenen Wurzeln kennenlernen. Und das ist die Tradition, die Lehre und die Weisheit der Kirche. In ihrer Breite (Ökumene) und in ihrer Tiefe (Geschichte und Erbe der Kirche).
Ich kenne meine Heimat nicht, wenn ich nicht Heilige und Kirchenlehrer kenne. Ich kenne mein Zuhause nicht, wenn ich die zersplitterten Brüder in den Konfessionen nicht kenne – zumindest ein wenig.
Und nicht nur kenne, sondern auch bei ihnen lebe.
Denn Leiblichkeit ist viel mehr als Erkenntnis.
Petrus
Man kann die Worte Jesu „auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen“ im katholischen Sinn verstehen. Die päpstliche Sukzession.
Aber ohne dem zu widersprechen höre ich auch:
Auf dem „Typus Petrus“ baue ich die Kirche.
Aus Menschen, die wirklich wollen. Aus solchen, die mich als ganzen Jesus kennenlernen wollen, wo auch immer ich bin. Die die besuchen, die Ich besuche. Die Meine Heimat und Meine Geschichte mit Mir durchschreiten wollen.
Solchen werde Ich in Meinem Reich Verantwortung anvertrauen.
Ich sprach gestern mit einem, der eine Gemeinde gegründet hatte. Seine Sicht war: Zuerst brauche ich „Schafe“. Dann darf und soll es auch in die Tiefe gehen.
Ich sage: Zuerst brauche ich Tiefe. Denn die Qualität der Frucht hängt von der Qualität des Baumes ab. Frische Triebe müssen öfter und radikaler beschnitten werden, als das weiche Herz es gern hat.
Es geht mir also nicht darum, persönlich ein toller Christ zu werden.
Und es geht mir nicht um Israeleuphorie und rein endzeitliche Schwärmerei.
Sondern darum, Dir so nahe zu sein, dass Du mich dazu brauchen kannst, wozu Du mich geschaffen hast.