Und wenn es nicht geschieht?

Di 30.06.2026

Mt 8:23-27 Der Sturm und das Boot

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

23 Und als Er in das Boot stieg, folgten Ihm Seine Jünger.

24 Und siehe, ein großes Beben entstand auf dem See, sodass das Boot von den Wellen bedeckt wurde; Er aber schlief.

25 Da traten sie hinzu, weckten Ihn auf und sprachen: „Herr, rette uns! Wir gehen zugrunde!“

26 Und Er spricht zu ihnen: „Warum seid ihr furchtsam, ihr Kleingläubigen?“ Dann stand Er auf, bedrohte die Winde und den See, und es trat eine große Stille ein.

27 Die Menschen aber staunten und sprachen: „Was ist das für einer, dass sogar die Winde und der See Ihm gehorchen?“

Parascha

Gestern habe ich eine längere Auslegung – oder Andacht – zur Parascha Chukat gehört. Das sind die wöchentlichen Lesungen aus der Thora. Es handelte von drei großen Widerständen vor dem letztlichen Sieg. Es war ein guter Text – aber er mündete in den Sieg.

Genau wie der Text des Evangeliums heute.

Muss ich nur „genug“ glauben, und alles wird gut?

Die Juden, die am Ende im KZ vernichtet wurden – wie ist es für sie? Haben sie zu wenig geglaubt?

Geht am Ende wirklich immer alles gut aus, wenn ich mich nur richtig verhalte, richtig und genug glaube?

Von den zwölf Jüngern, die mit Jesus im Boot waren, haben elf gerade wegen ihres Glaubens Not, Folter und Tod erlebt.

Aber der Himmel

Wir haben ja noch den Himmel. Der wird allen Mangel ausgleichen.

Ja, das glaube ich auch – und doch halte ich das für eine unzureichende Art, mit der Wirklichkeit umzugehen.

Denn diese Art Trost des Himmels kann in gewisser Weise billig sein.

Billig, wenn damit die volle Wirklichkeit des gegenwärtigen Leides kompensiert werden soll. Wenn damit alle weiteren Bedeutungen von Leid, Niederlage und Verlust verschwinden.

Trost, der nur etwas auslöschen will, ist billiger Trost.

Was dann?

Bevor ich eine Antwort versuche: Ich habe keine erschöpfende Antwort und ich sehe immer eine dunkle Lücke, die auf Erden nicht aufgelöst werden kann. Es ist schon Teil einer Antwort, zu sagen: Suche nicht nach einer vollen Lösung – Gott erklärt uns nicht alles und Er löst nicht alles zu unserem Gefallen auf.

Aber dennoch bin ich kein Stoiker, der es dann einfach so hinnimmt. Der Schrei bleibt, wenn auch nicht als abgrundtiefer, verzweifelter Schrei.

Gemeinschaft

Kann ich für die Gemeinschaft denken, leben?

Im Frühjahr 1945 kämpften deutsche Soldaten einen verlorenen Kampf gegen eine Übermacht der russischen Armee im Oderbruch.

Ihr Ziel war nicht, zu siegen. Auch das Ziel, zu überleben, stand nicht im Vordergrund. Sondern sie wollten die Front so lange wie möglich aufhalten, damit die Frauen, die Alten und die Kinder aus den Ostgebieten noch fliehen konnten. Sie habe vielen das Leben gerettet – in einem verlorenen Kampf.

Gemeinschaft mit Gott

Genau so, und für einen Christen vielleicht noch deutlicher: Will ich so handeln, dass meine letzte Frage die nach der Ehre, der Freunde Gottes ist?

Nicht die, nach Erfolg, auch nicht die nach Überleben. Selbst die nicht, die nach dem Himmel fragt.

Paulus sagt einmal, er wolle verflucht und von Christus getrennt sein, wenn dadurch seine Brüder, das jüdische Volk, gerettet werden würden (Rö 9,1-3).

Und Paulus steht dabei auf den Schultern des Mose:

„Vergib ihnen ihre Sünde; wenn aber nicht, so tilge mich doch aus Deinem Buch.“ (Ex 32,32)

Und alle stehen auf den Schultern des Menschensohnes. Er hing am Kreuz des Fluches.

Und ich glaube, es ist nicht der Gedanke daran, dass am Ende alles gut wird, der eigentliche Grund!

Sondern die Offenbarung eines anderen Wesenskerns in mir. Eines Kerns, den Gott in mich gelegt hat. Eines Wesens, das nicht mehr fragen muss, wo ich bei all dem bleibe. Ob ich gesehen werde und mir Gerechtigkeit widerfährt.

Denn Glaube ist nichts, was man hat, oder gar eine Art Machtmittel.

Es ist ein Zugehörigkeitsstatus.

Ein nicht mehr sich selbst gehören.

Und damit ist es die Verherrlichung Gottes.

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