Mi 08.07.2026 💐 Julia
Mt 10:1-7 die Berufung der zwölf Jünger
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 Und Er rief Seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht über unreine Geister, sie auszutreiben und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen.
2 Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: zuerst Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, sein Bruder;
3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus;
4 Simon, der Kananäer, und Judas Iskariot, der Ihn auch überlieferte.
5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, nachdem Er ihnen geboten hatte und sprach: „Geht nicht auf einen Weg zu den Heiden und geht nicht in eine Stadt der Samariter hinein;
6 geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
7 Während ihr aber hingeht, verkündigt und sprecht: ‚Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.‘“
Warum werden die Namen genannt?
Es wäre auch möglich, einfach von zwölf engeren Jüngern zu sprechen.
Aber Matthäus nennt die Namen und für fast jeden auch noch eine nähere Bestimmung: einen Bruder, einen Vater, einen Beruf.
Es sind nicht nur Merkmale zur Identifikation, sondern bleibende Eintragungen in die Bibel und wohl auch in das Buch des Lebens.
Ich lese: Petrus, Andreas, Jakobus,…
Heute, nach 2.000 Jahren, sind genau diese Personen gemeint. Nicht „Männer zur Zeit Jesu“. Sondern diese – und auch: Nicht andere.
Nicht jeder ist gleich – garnicht.
Kein Kanal
Ich habe vor kurzen dazu geschrieben.
Der Mensch nicht einfach ein Werkzeug Gottes. Und schon garnicht ein Kanal.
Menschen sind Personen.
Und auch im günstigsten Fall sind sie nicht komplett transparent für Gott. Sondern sie sind mit Gott, mit Jesus in einem Joch.
Es geht nicht darum, sich selbst immer nur zurück zu nehmen und Gott machen zu lassen.
Sondern es geht darum, sich selbst ganz hinzugeben in die Gemeinschaft.
Die Gemeinschaft in der ich erst den Namen bekommen, der werde, den der wunderbare Gott geschaffen hat.
Wer bist du?
So fragt mich Gott.
Und später wird Er zu vielen sagen: Ich kenne dich nicht, weiche von mir.
Ich komme nicht einfach in den Himmel, weil mir meine Sünden vergeben sind. Und ich vielleicht nun weniger Fehler mache.
Ich komme in das Reich Gottes, weil und wenn ich einen Namen habe.
Einen Namen, der eine Spur in der Welt hinterlässt – und der auch im Himmel ein Faden ist, aus dem die himmlische Stiftshütte gewoben wird.
Ich bin nicht nur Opfer meines Lebens und ohne Kraft. Einer, der immer nur bettelt und anklopft.
Ich bin dieser Mensch, der ob seines Namens jene konkrete Aufgabe, jenen konkreten Anteil am Reich Gottes empfangen soll und leben soll.
Mein Name wartet darauf, dass ich mich zu ihm stelle, denn meine Werke sind bereitet, vom Vater her.
Ich aber muss in sie eintreten.
Und viele tun es nicht und bleiben immer nur Empfangende, Anklopfende. Aber nicht solche, die das tun, was in ihnen in den Schoß gelegt wurde.
Mit übergeschlagenen Beinen
Ich habe eine Tendenz, meine Beine übereinander zu legen. Ich weiß, dass es Ausdruck einer inneren Haltung ist, und habe Mühe, es mir abzugewöhnen.
Es hat zu tun mit einem gewissen Maß an Zurückhaltung. Einer beobachtenden Haltung in eigener Sicherheit. Eines auf mich zukommen und den anderen machen lassen. Es gibt wohl Zeiten auch dafür – aber weniger, als ich sie lebe.
Mein Ausbilder in der Logotherapie (Helmut Dorra) saß mit uns in einer kleinen Runde von etwa 8–10 Personen. Wenn er uns etwas vermitteln wollte, waren seine Füße fest auf dem Boden. Er saß leicht nach vorn gebeugt auf der vorderen Kante seines Stuhles. Ein Bild intensiver Zugewandtheit und des Bewusstseins unbedingter Bedeutung dessen, was er uns zu sagen hatte. Es war wie ein Stromfluss zu uns, zu mir hin. Ich empfing seine Begeisterung, das Brennen seines Herzens und sein rückhaltloses Interesse an uns und an mir. Ich verließ den Raum nicht, ohne ein anderer zu sein als zuvor, und sein Brennen entzündete das Beste in mir, was es gibt: bedingungsloses Interesse am Anderen und leidenschaftliche Liebe zu helfen, wie er es tat.
Bei ihm konnte ich ganz der sein, der ich bin. Auch wenn die Gruppe mich oft kritisch gesehen hat, spürte ich, dass Helmut Dorra immer das Beste in mir sah, es meistens auch verstanden hat, oder es aber immer als kostbar und wichtig aufgenommen hat.
Sein Name hat meinem Namen Wert gegeben. Denn durch ihn bin ich mehr der, der ich sein soll. Durch ihn – weniger durch die Lehre der Logotherapie selbst.
Ich möchte, nein: Ich will für andere der sein, der ich sein soll, damit deren Name im Buch des Lebens zu finden sein wird.
Denn auch mein Name wird sich nur in den Namen anderer finden lassen.