Fr 10.07.2026
Mt 10:16-23 Von der kommenden Verfolgung
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
16 Siehe, Ich sende euch aus wie Schafe mitten unter Wölfe. Seid nun klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben.
17 Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie werden euch an Gerichte ausliefern und euch in ihren Synagogen geißeln.
18 Und auch vor Statthalter und Könige werdet ihr um Meinetwillen geführt werden, ihnen und den Nationen zum Zeugnis.
19 Wenn sie euch aber ausliefern, sorgt euch nicht darum, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt.
20 Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist eures Vaters ist es, der in euch redet.
21 Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tod ausliefern und der Vater das Kind; und Kinder werden sich gegen die Eltern erheben und sie töten.
22 Und ihr werdet von allen gehasst werden um Meines Namens willen. Wer aber bis ans Ende ausharrt, der wird gerettet werden.
23 Wenn sie euch aber in dieser Stadt verfolgen, so flieht in die andere. Denn wahrlich, Ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels keinesfalls zu Ende kommen, bis der Sohn des Menschen kommt.
Erleben
Anfang der neunziger Jahre habe ich ein gewisses Maß an „Verfolgung“ erlebt. Es mündete in einer Art Prozess vor einem Gemeindegremium mit späterem Ausschluss aus der Gemeinde. Aus der Gemeinde, an deren Gründung ich initiativ und maßgeblich beteiligt war. Der Vorgang zog sich über viele Monate (> ein Jahr) hin und hatte auch starke Auswirkungen auf meine Kinder – bis heute.
Vor ein paar Wochen bin ich, inzwischen Katholik, in einer Freikirche gesegnet worden, zum Dienst an einer Kleingruppe.
Das ist für mich ein Wunder. Und ich verbeuge mich vor dieser Gemeinde und ihrem Leiter Andy Timm. Alles initiiert und ins Leben gebracht von Johannes Justus.
Aber es hat auch damit zu tun, dass das Bauen von Brücken zutiefst zu meinem Anliegen geworden ist. Es ist zu einem zentralen Bestandteil meines Lebens geworden. Ich suche das Verbindende, ich fördere das Gemeinsame – ohne die Wahrheit aufzugeben. In allem suche ich das Gute, das es immer gibt.
Meine Frage an mich selbst ist nun, ob nun die Liebe die Wahrheit gezähmt hat. Meine Wege haben immer mit einer brennenden Sehnsucht nach Wahrheit zu tun gehabt – und das Ergebnis dieser Suche ist die Liebe.
Ich will Brücken bauen und mit anderen auf ihnen wandeln. Menschen einladen, ihre Burgen zu verlassen und einander anzutreffen. Begegnung mit Respekt und Staunen, mit Annahme und herzlicher Zuwendung.
Aber.
Schwert
Jesus schickt Seine Jünger wie Schafe unter die Wölfe.
Gnade ist kein Abo. Friede ist nicht der König in dieser Welt.
Mein Weg von der Vereinsamung zur Gemeinschaft ist keine Einbahnstraße.
Denn Du sagst, all die Wölfe und all die Verfolgung wird es geben, bis Du wiederkommst.
Der Wolf führt ein Schwert, aber diese Art Schwert werde ich nicht führen. Das Lamm führt kein Schwert gegen andere.
Aber es führt ein Schwert der Wahrheit, wenn es dazu gezwungen ist.
Ob ich es führe, hängt davon ab, ob von mir verlangt wird, öffentlich Wahrheit zu opfern. Die Wahrheit, dass die Liebe einen Preis hat.
Sie kostet das eigene Leben.
Nicht das Leben an sich – sondern das eigensinnige Leben.
Wer sich selbst neben Gott stellt, Ihn als Kameraden und Partner handhabt, der kann sein Leben nicht in das Reich Gottes hineinretten.
In der Kirche
Verfolgung begann damals auch in der Synagoge, heute auch in der Kirche. Wer mit Ernst Christ sein will, wird hässlich in den Augen derer, die einen Weg suchen, der ihnen ihr eigenes Leben erhält.
Die Flucht in die eigene fromme Blase ist vielleicht eine Pause auf dem Weg. Ich fürchte, am Ende wird es mehr Einsamkeit geben, als ich ertragen möchte.
Wann und wie das sein wird – ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, es gilt, nicht vorab zu sorgen.
Denn die Sorge lässt die Liebe erkalten!
Und das soll nicht geschehen – darum weise ich die Sorge aus meinem Herzen.
Ob der Bruder mir zum Wolf wird, weiß ich nicht; ich werde dennoch keine Burg bauen, um mich vor ihm zu schützen.