Heiligung zur Wirksamkeit

Sa 02.05.2026

Joh 14:7-14 Jesu Weg zum Vater II

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

7 Wenn ihr Mich erkannt habt, werdet ihr auch Meinen Vater erkennen; und von jetzt an erkennt ihr Ihn und habt Ihn gesehen.

8 Philippus sagt zu Ihm: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.

9 Jesus sagt zu ihm: So lange Zeit bin Ich bei euch, und du hast Mich nicht erkannt, Philippus? Wer Mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie sagst du: Zeige uns den Vater?

10 Glaubst du nicht, dass Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist? Die Worte, die Ich zu euch rede, rede Ich nicht von Mir selbst; der Vater aber, der in Mir bleibt, tut Seine Werke.

11 Glaubt Mir, dass Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist; wenn aber nicht, dann glaubt um der Werke selbst willen.

12 Amen, amen, Ich sage euch: Wer an Mich glaubt, wird die Werke, die Ich tue, auch tun, und wird größere als diese tun, weil Ich zum Vater gehe.

13 Und was ihr bitten werdet in Meinem Namen, das werde Ich tun, damit der Vater verherrlicht wird im Sohn.

14 Wenn ihr Mich etwas bitten werdet in Meinem Namen, werde Ich es tun.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

  • „erkennen“ (V.7): aramäisch mit relationalem Gewicht – nicht nur Wissen, sondern Verbundenheit (wie hebräisch יָדַע).
  • „zeigen“ (V.8–9): nicht nur sichtbar machen, sondern offenbaren – Philippus verlangt Offenbarung außerhalb Jesu.
  • „in Mir / im Vater“ (V.10–11): starkes „Innewohnen“ – semitisch eher ein Sein im Anderen als bloße Einheit.
  • „größere Werke“ (V.12): nicht unbedingt spektakulärer, sondern in Ausdehnung – über die Zeit und in die Völker hinein.
  • „in Meinem Namen“ (V.13–14): Name als Wesen/Autorität – Bitten im Einklang mit Seinem Sein, nicht Formel.

Warum tue ich nicht solche Werke?

Welche Werke sind gemeint?

Sind es die Heilungen? Die Speisungen?

Auch wenn ich andere Werke Jesu für größer und wichtiger halte, kann ich diese nicht einfach ausblenden. Denn Jesus sagt: „…wenn aber nicht, dann glaubt um der Werke willen“.
Und doch: Auch diese Werke können und werden das meinen, was noch geschehen wird. Im Abendmahl, in Gethsemane, vor Pilatus und dann das noch größere.

Es geht um die Werke der Hingabe zumeist – aber im Vorlauf sind die anderen Werke eine Anfrage an mich: Wo stehst du, Andreas, wenn deine Hände solches nicht tun?

Vorgriff

Ich brauche für diesen Text einen Vorgriff auf den Vers 15:

„Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten“.

Und daraufhin erfolgt die Verheißung des Beistandes.
Denn die Werke Christi tue ich nicht in mir, sondern in Dir.

Aber der Heilige Geist benutzt mich nicht wie einen Avatar, oder wie Dämonen es tun. Sondern er hilft mir in der Hingabe. Nicht indem er meinen Willen manipuliert, sondern indem er mir Klarheit schenkt.

Klarheit zur Wahrheit. Klarheit zur Hingabe. Klarheit zum Gehorsam.

Liebe ist der Acker

Vor allem steht die Liebe, hier zunächst die Liebe zu Jesus Christus.

Auf dem weiteren Weg offenbart sich die Liebe als Ort, an dem Du Wahrheit geben kannst.

Ich weiß nicht, heilig zu leben, weil mein Boden zu hart ist. Zu hart für den Geist der Liebe.

Denn wenn ich wahrhaft liebe, finde ich auch den Raum

Beispiel

In den vergangenen 356 Tagen habe ich 340 Stunden Hebräisch studiert (nur das Lernen selbst). Jemand sagte mir, so viel Zeit könne er nicht aufbringen.

Wirklich?

Statt WhatsApp, statt Nachrichten, statt Surfen oder sonst etwas entscheide ich mich, zuerst das Buch zur Hand zu nehmen. Und wenn es nur ein paar Minuten sind, oder nur eine Vokabel. Beim Gehen und Fahren als Hörbuch.

Wenn ich etwas wirklich will, dann kann ich es.

Fast immer ist „ich kann nicht“, oder „ich habe keine Zeit“ eine freie Entscheidung gegen das, was ich soll. Ich nenne es zur Klarstellung auch mal: Rebellion.

Letztlich ist es eine Entscheidung der Richtung meiner Liebe: von Jesus weg – zu mir selbst. Von der „Jesussorge“ zur Selbstsorge. Vom Vertrauen zum Misstrauen.

Jetzt

Jetzt tue ich dies oder das und jetzt bin ich gefragt.

Die Wunder Jesu liegen am Wegesrand und warten, dass ich sie tue – ich aber „habe keine Zeit“ für sie.

Niemals war es so leicht, dem Vater nahe zu sein und zu wissen, was Sein Weg mit mir ist. Denn jetzt sieht Philippus dem Vater direkt ins Angesicht. Jetzt, heute offenbart sich Jesus mir – und damit den Vater.

Unser jüdischer Gast in der Männerrunde hat uns einen kleinen Einblick in ein Leben gegeben, das „auf dem Weg zur Orthodoxie“ ist, wie sie es nannte.

Sehr viel mehr Nähe zum Vater, als ich sie sonst erlebt habe. Und das schon ohne Jesus.
Wie viel mehr kann ich mich bereiten lassen, dass Deine Werke wirken können.

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