Jetzt ist der Tag

Do 21.05.2026 Omer Tag 49

Joh 17:20-26 Hohepriesterliches Gebet – Vollendung

Der Text

20 Aber nicht für diese allein bitte Ich, sondern auch für die, die durch ihr Wort an Mich glauben,

21 damit sie alle eins seien; wie Du, Vater, in Mir und Ich in Dir, damit auch sie in Uns seien, damit die Welt glaube, dass Du Mich gesandt hast.

22 Und die Herrlichkeit, die Du Mir gegeben hast, habe Ich ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie Wir eins sind:

23 Ich in ihnen und Du in Mir, damit sie zur Vollendung in eins gebracht seien, damit die Welt erkenne, dass Du Mich gesandt und sie geliebt hast, wie Du Mich geliebt hast.

24 Vater, Ich will, dass die, die Du Mir gegeben hast, auch dort bei Mir seien, wo Ich bin, damit sie Meine Herrlichkeit schauen, die Du Mir gegeben hast; denn Du hast Mich geliebt vor Grundlegung der Welt.

25 Gerechter Vater — und die Welt hat Dich nicht erkannt; Ich aber habe Dich erkannt, und diese haben erkannt, dass Du Mich gesandt hast.

26 Und Ich habe ihnen Deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der Du Mich geliebt hast, in ihnen sei und Ich in ihnen.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

  • „eins“ trägt im Aramäischen stark den Gedanken innerer Einheit und Verbundenheit, nicht bloß äußerer Gemeinsamkeit.
  • „zur Vollendung in eins gebracht“ betont sprachlich ein Zu-Ende-Geführtwerden, ein inneres Ganzwerden.
  • „Deinen Namen kundgetan“ meint semitisch nicht nur Mitteilung eines Namens, sondern Offenbarung von Wesen, Gegenwart und Wirklichkeit Gottes.
  • „damit die Liebe … in ihnen sei“ klingt im Aramäischen stärker wie ein bleibendes Wohnen oder Innewohnen der Liebe.

Omer Tag 49

מַלְכוּת שֶׁבְּמַלְכוּת

Königtum in der Königsherrschaft, und das ist ebenso: Hingabe in der Hingabe.

Es ist der letzte Tag der Omer-Zählung.

Es ist der Tag vor dem Empfang der Thora, kirchlich gesprochen der Tag vor Pfingsten.

Ich verstehe es so:

Mit diesem Tag werde ich endgültig gefragt, ob ich bereit bin, mich ganz in Verantwortung nehmen zu lassen.

Ob ich aus dem vorrangigen Modus der Bereitung in den eigentlichen Modus der Verantwortung wechsle. Nicht, um nicht mehr zu lernen, aber doch um von Modus des Empfangens in den des Gebens zu wechseln.

Vollendung des hohepriesterlichen Gebetes

Passend sind es die letzten Worte Jesu vor Seiner Gefangennahme. Und das Wort ist:

„Damit sie zur Vollendung in eins gebracht seien“.

Vollendung geschieht nicht persönlich, sie geschieht im Blick auf „uns“. Es ist die Geburt des „wir“ im Blick auf den Leib Jesu.

Und dabei bin ich so gefragt, als ob alles von mir abhänge.

Es gibt keinen Blick zur Seite, ob der andere auch mitmacht.

Sondern ich werde gefragt: Nimmst du deinen Platz ein?
So ein, dass es kein Zurückblicken mehr gibt, in die Zeit von Sodom (Lots Frau) zu den Fleischtöpfen Ägyptens (Israel) und zur eigenen Vergangenheit der privaten Prioritäten (u. a. Mt 8:22).

Perfektionismus

Dass Perfektionismus ein seelischer Mangel ist, habe ich erst in meiner Ausbildung zum Logotherapeuten richtig verstanden. Es ist mein Anspruch, ein Besserer zu sein als ich bin. Das Hinausschieben der Abgabe einer Arbeit, weil ich sie doch noch besser kann. Dem Nennen von Ausreden für den unperfekten Stand der Dinge.

Überhaupt – Ausreden.

Heute akzeptiere ich, dass ich so heilig bin, wie ich bin.

Denn heilig sein heißt nur: Zugehörig sein. Ganz dem Vater, dem König zu gehören.

Zum Beispiel meine Konstruktionszeichnung eines Roboterarmes so abzugeben, wie sie heute ist (es war dann eine Drei).

Größer ist mein Gefäß nicht, das ich dem Heiligen Geist zur Verfügung stellen kann.

Siehe 2. Kö 4:1-7.

„Und es geschah, als die Gefäße voll waren, da sagte sie zu ihrem Sohn: Reiche mir noch ein Gefäß! Er sprach zu ihr: Es ist kein Gefäß mehr da. Da stand das Öl still.“ (V6)

Persönlich

In wenigen Tagen werde ich 70 Jahre alt (30.5.). Und es werden (etwa im Juni) 40 Jahre sein, da ich in einer Zeltmission die Worte der Übergabe gesprochen habe, also durchs Schilfmeer geleitet wurde.

Ich ahnte damals nicht, was es bedeutet. Es war ein unfassbarer Weg des Wechselns von der Selbstsorge zur Stille, zu einem Leben hin zum unscheinbaren Gebet.

Es ging zumeist ums Loslassen. Ein Loslassen und einer Annahme des nicht eigenen.

Meine Lebensübergabe war kein bisschen spektakulär. Im Gegenteil – ich war enttäuscht.

Aber doch hast Du mich angenommen und aufgenommen. Nicht mit dem Brausen eines Pfingstereignisses, sondern eher wie mit dem leisen Windhauch eines Elias.

Und heute: Ich bekenne Dich als den Herrn, den ich ganz will. Und an dessen Hand ich jeden Weg gehen will, den Du mit mir gehst.

Vierzig Jahre haben mich nicht ermüdet, sondern ich bekenne die Kraft, die ich jedoch erst im Rückblick sehe. Ich war oft müde, aber Du warst nicht müde mit mir. Mein Herz jubelt geheimnisvoll, leise und laut zugleich – und ich bezeuge es heute.

Was nach Pfingsten kommt, weiß ich genauso wenig wie in jenem Zelt bei Tostedt im Jahre 1986.

Nimm, was Du bei mir findest, und fülle es mit Deinem Geist, Vater.

Hinterlasse einen Kommentar