So 21.06.2026
Mt 10:26-33 Menschenfurcht und Gottesfurcht
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
26 Fürchtet euch also nicht vor ihnen. Denn nichts ist verhüllt, das nicht enthüllt werden wird, und nichts verborgen, das nicht erkannt werden wird.
27 Was Ich euch in der Finsternis sage, das redet im Licht; und was ihr ins Ohr hört, das verkündet auf den Dächern.
28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können. Fürchtet vielmehr Den, Der sowohl Seele als auch Leib im Gehenna verderben kann.
29 Werden nicht zwei Sperlinge für einen Assarion verkauft? Und nicht einer von ihnen wird auf die Erde fallen ohne euren Vater.
30 Bei euch aber sind sogar die Haare des Hauptes alle gezählt.
31 Fürchtet euch nun nicht; ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.
32 Jeder nun, der sich zu Mir bekennen wird vor den Menschen, zu dem werde auch Ich Mich bekennen vor Meinem Vater, Der in den Himmeln ist.
33 Wer Mich aber verleugnen wird vor den Menschen, den werde auch Ich verleugnen vor Meinem Vater, Der in den Himmeln ist.
Wo und warum fällt es mir schwer?
Ich kenne einige Menschen, mit denen andere über bestimmte Themen nicht reden. Corona ist das deutlichste Beispiel.
Das liegt zum Teil daran, dass viele den Streit nicht mehr mögen. Es liegt aber oft auch an den Menschen selbst. Sie wirken einseitig, aufgeheizt und fundamentalistisch. Man kennt sie ja und nimmt sie in diesem Thema nicht mehr ernst. Vielleicht dadurch auch weniger ernst bei anderen Themen.
Das ist eine Rolle, in die ich nicht gern hineinkommen möchte.
Und auch wenn mir mein sozialer Ruf wichtig ist und ich den anderen noch nicht einschätzen kann, zögere ich manchmal mit einem Bekenntnis oder spreche gedämpft davon.
Dabei gibt es Abstufungen. Es fällt mir leicht, vom Christentum zu sprechen, oder auch von Gott.
Ein existenzielles Bezeugen Jesu für mich selbst ist in der Regel auch nicht schwer – aber dieses auch für die Relevanz Christi für die Welt zu tun, hängt von vielen Faktoren ab.
Erleben
Unsere Tochter Jessika arbeitet beruflich im Hospiz. Wir sprechen oft über das Thema. Gestern waren wir mit ihr in Hanstedt, zu einem Nachmittag über Sterben und Trauer. Der Tod selbst kam nicht vor.
Die Menschen berichteten in Gesprächen, wie gern sie diese Arbeit machen, sei es Sterbe- oder Trauerbegleitung.
Glaube, Tod, Auferstehung sind dort kein Thema, auch wenn wir direkt im Schatten der schönen Hanstedter Kirche waren.
Ich staune, warum ich kaum Zeuge Jesu Christi war. Die Atmosphäre bot keinen Raum dafür – aber bin ich denn ein Knecht der Atmosphäre?
Überschuss
Ich bezeuge, wenn ich gefragt werde. Aber frage ich selbst Fragen, die eine Stellungnahme, ein inneres Fragen beim anderen wecken können? Habe ich einen brennenden Überschuss an Freude angesichts auch des Todes? Angesichts einer Situation, in der dies „aus Toleranz und Neutralität“ nicht gewünscht ist?
Gehe ich in solch einen Raum, ohne Dich um einen Auftrag zu bitten?
Bin ich Salz, das nicht anders kann, als zu salzen?
Ungerechtigkeit
Im Bedenken, woher meine Angst kommt, fiel mir auf, wie stark ich innerlich von Ungerechtigkeit berührt werde.
Wenn ich schreckliche Ungerechtigkeit in meinem Umfeld erlebe, fällt es mir schwer, nicht zu rebellieren und Dir darin doch zu vertrauen. Aber ich lese nun Dein „Nichts bleibt verhüllt“.
Ist dies vielleicht die eigentliche Ursache dafür, dass ich auch Sorge, ja Angst habe, ungerecht kritisiert und abgelehnt zu werden, wenn ich mich aktiv zu Dir stelle? Wenn ich nicht wegen plumpen und ungeschickten Redens ausgegrenzt werde, sondern wegen des Inhaltes meiner Worte: Dich, Herr.
Für die Welt
Heute ist Toleranz praktisch in Beliebigkeit übergegangen. Ich toleriere, dass jemand eingeäschert werden will – aber es ist falsch.
Ich toleriere, dass Hospizarbeit zumeist darin besteht, den Menschen letzte Wünsche nach Genuss zu erfüllen – aber ich halte es für unzureichend.
Jesus Christus ist für alle Menschen gut und notwendig.
Toleranz hört da auf, wo sie in Lüge übergeht.
Wieweit bin ich ein Opfer des Zeitgeistes, der Konflikte mehr scheut als Lüge und Tod?
Es ist sehr schwer und sehr wichtig, zwischen Meinung und persönlichen Vorlieben einerseits und Wahrheit, die auch dir dient, Freund, zu unterscheiden.
Liebe gebietet beides. Toleranz und Geduld zum einen und brennendes Für-das-Leben-sein zum anderen.
Aus der Sorge um Irrtum – oder auch aus Bequemlichkeit – suche ich oft Deinen Auftrag nicht.
Aber dazu bin ich doch auf der Erde!