Do 02.07.2026
Lk 1:39-56 Maria bei Elisabeth; Magnificat
(Tägliches Evangelium)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
39 In jenen Tagen aber machte sich Maria auf und ging mit Eile in das Bergland, in eine Stadt Judas.
40 Und sie trat in das Haus des Zacharias ein und begrüßte Elisabeth.
41 Und es geschah, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib; und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt.
42 Und sie rief mit lauter Stimme und sprach: „Gesegnet bist Du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht Deines Leibes!
43 Und woher kommt mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44 Denn siehe, als die Stimme Deines Grußes an mein Ohr drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45 Glückselig ist die, die geglaubt hat; denn es wird erfüllt werden, was ihr vom Herrn zugesagt worden ist.“
46 Da sprach Maria: „Meine Seele erhebt den Herrn,
47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
48 Denn Er hat die Niedrigkeit Seiner Magd angesehen. Denn siehe, von nun an werden mich alle Geschlechter glückselig preisen.
49 Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und heilig ist Sein Name.
50 Und Seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht denen, die Ihn fürchten.
51 Er hat Macht geübt mit Seinem Arm; Er hat zerstreut, die hochmütig sind in den Gedanken ihres Herzens.
52 Mächtige hat Er von Thronen gestürzt und Niedrige erhöht.
53 Hungernde hat Er mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt.
54 Er hat sich Israels, Seines Knechtes, angenommen, um der Barmherzigkeit zu gedenken,
55 wie Er zu unseren Vätern geredet hat, gegenüber Abraham und seinem Nachkommen in Ewigkeit.“
56 Maria aber blieb etwa drei Monate bei ihr und kehrte dann in ihr Haus zurück.
Persönlich
In Vers 42 steht: Sie (Elisabeth) rief mit lauter Stimme.
Und schon in Vers 41 hüpft das Kind und Vers 44 nennt die Freude als Grund.
Auch Maria hält sich nicht zurück. Ihr Magnifikat ist klar und voller Kraft.
Ich selbst bin eher nicht laut. Meine Stimme ist leise, je wichtiger mir etwas ist, desto leiser werde ich. Ich tanze nicht und juble nicht laut. Ich singe eher keine lauten, fröhlichen Lieder oder erzähle jedem, wie es mir geht.
Auch deshalb, weil mich Menschen traurig gemacht haben, die ihren Glauben laut vor sich hertragen, aber nicht leben, was sie bekennen.
Ist es nicht besser, vorsichtig zu sein, und mehr zu sein als zu scheinen?
Erleben
Der Hebräischuntericht in der Volkshochschule pausiert im Sommer. Wir haben eine kleine Übungsgruppe gebildet und üben miteinander.
Ich habe bemerkt, dass ich deutlich weniger weiß, wenn ich selbst an der Reihe mit Reden bin, als wenn ich bei den anderen zuhöre.
Das liegt an der Scham.
Das Gefühl der Unsicherheit und der leisen Blamage blockiert mein Denken, blockiert mich. Und gerade darum ist solch eine persönliche, aber offene Gruppe durch nichts zu ersetzen. Ich lerne, mich zu blamieren. Ich wage zu sagen, was ich habe, wenn es auch wenig und vielleicht falsch ist.
Und zudem haben wir darüber gesprochen, wie wichtig es ist, in den Wald zu gehen und hebräische Selbstgespräche laut den Bäumen zuzurufen.
Schamlosigkeit
Aber es gibt eine Grenze. Das ist die Schamlosigkeit.
Auch im Kleinen. Denn die Scham hat einen hohen Wert. Sie will mich schützen, laut und frech zu sein, wo ich nicht weiß und wo ich dem anderen Raum nehme. Sie beschützt mich, um leise zu sein, wo ich hören und warten soll. Sie hat viele wertvolle Aufgaben.
Zu diesen Gefahren gehört auch die falsche Selbstsicherheit.
Und nun komme ich wieder zum Glauben zurück.
Schamlos Glauben
Der schamlose Glaube behauptet den Glauben und glaubt letztlich mehr an seinen eigenen Glauben als an das, wovon er spricht.
Wenn ich behaupte, zu glauben, was doch einer Prüfung nicht standhält, bin ich nahe daran, ein Heuchler zu sein oder ein Schwärmer.
Der schamlos Glaubende meint, eine Wahrheit zu produzieren, indem er sie behauptet. Aber der Glaube soll ein wahrer Glaube sein, nicht ein geglaubter Glaube.
Was glaube ich?
Diese Frage haben wir uns damals nach dem heftigen Gegenwind auf dem Israelstand gestellt. Was glaube ich so, dass ich dafür auch Geschrei und soziale Ausgrenzung in Kauf nehme, ja, eventuell Geschubse und mehr?
Es gilt, in mir Klarheit über meinen Glauben zu finden – und zu benennen.
Über den vielleicht sehr begrenzten Glauben.
Und diesen dann umso klarer und unerschrockener zu benennen.
Für diesen Glauben schäme ich mich nicht, es ist der Anteil meines Glaubens, den ich „schamlos“ leben will.
Was will ich glauben?
Erst auf dieser Basis erkenne ich meine eigenen Illusionen. Und vielleicht eine Anfrage des Vaters: Was fehlt dir, um Mir an dieser und jener Stelle meine Liebe zu glauben?
Für einen Glauben, der nicht einfach „Ja, Vater“ sagt, und dann doch nicht geht, wenn der Sturm vor der Tür wartet.
Ich nehme, was ich glaube, und lebe das entschlossen, fröhlich und gegebenenfalls auch laut.
Und darin lerne ich Dich kennen – für mehr von diesem Glauben.