Vorgedankliche Entscheidung

Di 28.04.2026

Joh 10:22-30 Bist Du der Messias?

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

22 Es geschah damals das Fest der Tempelweihe in Jerusalem; es war Winter.

23 Und Jesus ging im Tempel umher, in der Säulenhalle Salomos.

24 Da umringten Ihn die Juden und sagten zu Ihm: Wie lange hältst Du unsere Seele hin? Wenn Du der Christus bist, sage es uns frei heraus.

25 Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die Ich tue im Namen Meines Vaters, diese zeugen von Mir.

26 Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von Meinen Schafen.

27 Meine Schafe hören Meine Stimme, und Ich kenne sie, und sie folgen Mir.

28 Und Ich gebe ihnen Leben der Ewigkeit, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus Meiner Hand reißen.

29 Mein Vater, der sie Mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand des Vaters reißen.

30 Ich und der Vater sind eins.

Ohne Appell

Und ohne Moral.

Jesus benennt Dinge – Er nennt es „sagen“.
Aber Er beeinflusst Menschen nicht. Er drängt nicht und bedrängt nicht.

Im Gegenteil: „Ihr seid nicht von meinen Schafen“. Und darum hört ihr meine Stimme nicht. Es ist ein Aufdecken und Klären. Offenbar hat das Gericht, also die Scheidung, schon stattgefunden. Warum redet Er überhaupt noch? Gerade mit ihnen?

Klarheit

Ob heiliges Öl in mir ist, zeigt sich erst unter Druck.

Ob ich zu Jesus gehöre, soll erkennbar und klar werden. Für mich, für den Himmel und für die Welt. Zur Ehre Gottes.

Dazu führst Du alle Menschen in die Offenbarung ihrer Verantwortung. Wohin gehe ich, wenn Du redest. Höre ich Deine Stimme und folge Dir – oder diskutiere ich mit Dir und fordere Indizien, Beweise, Wunder.

Ein Bruder trat in meine Bruderschaft ein. Sehr schnell kam er in ein hohes Amt und bekleidete es einige Jahre. Eines Tages trat er zurück und schied auch gleich ganz aus der Bruderschaft aus. Ein Vorgang, der grundsätzlich „unmöglich“ ist, denn wir versprechen die Bruderschaft auf Lebenszeit.

Ich vermute, er wurde aus Gründen Bruder, die mit Nutzen und Zweck zu tun haben, und nicht eine Offenbarung einer personalen Entscheidung war. Zwecke sind auch oft seelische Zwecke, bei uns gibt es kein Geld.

Not prüft, inwiefern meine Stellungnahme zu etwas wirklich meinem Namen entspricht. Den Namen, von dem ich rede, der mein Selbst umschließt. Der ich wirklich bin.

Vor dem Denken

Besonders im Blick auf Israel erlebe ich, dass Argumente, die ja mit Denken zu tun haben, wenig Bedeutung für Grundentscheidungen haben. Menschen entscheiden sich, bevor sie Argumente hören. So hören sie die Argumente „ihres Vaters“, wie Jesus es nennt.

„Wessen Kind ich bin, dessen Wort ich hör.“

So möchte ich es nennen.

Jesus ist mir nicht Erlöser, Er ist mir Gott. Er verbindet mich mit dem Vater, denn Er und der Vater sind eins (V 30).

Ihm zu folgen folgt also keinem „Zweck“, zum Beispiel dem Zweck eines guten Lebens oder einer Erlösung – auch wenn das darin vorkommt.

Sondern ich folge meinem Vater, einfach, weil dieser mein Vater ist und ich Seine Stimme gerne höre.

So kann ich in den Stimmen der Welt Orientierung finden. Denn ich horche darin nach Deiner Stimme.

Klarheit als Auftrag

Und so höre ich, dass auch ich klar sein soll.

Nicht zweckhaft reden und schreiben, sondern klärend.

Weder suggestiv oder einfach nur klug. Weder allein mit Wissen noch mit zwingenden Argumenten.

Sondern den Menschen helfen, ihre eigene Position in der Wahrheit zu erkennen und ihr genauer zu folgen.

Propaganda

Auf dem Israel-Stand hat uns jemand in scharfem Ton Propaganda für Israel vorgeworfen. Und er beleuchtete damit eine Unklarheit in meinem Herzen, denn er sagte: „Was sonst sind diese Israelfahnen an eurem Tisch!“

Ursprünglich bedeutet Propaganda „ausbreiten, fortpflanzen, weitertragen“ (lat.).

Aber das Wort hat einen Bedeutungswandel erlebt, hin zu Beeinflussung, ja Manipulation.

Hier eine kleine Tabelle:

Begriff Ziel Haltung zum Anderen
Propaganda überzeugen / steuern beeinflussen
Appell gewinnen / bewegen drängen
Zeugnis / Wort offenlegen / klären respektieren

Aber sein Vorwurf berührt ein Thema, für das ich heute keinen Platz mehr habe, was aber ganz am Anfang meiner eigenen Besinnung stand:

Wie trägt die Liebe diese Freiheit zur Finsternis des anderen?

Wie geschieht es, dass es mehr ist als ein Ertragen, ein Erdulden?

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